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Berichte 2006
 D.a.  2006 - Nr. 375 » ... aktuell * Rückblick
  

Theater in Dedinghausen ist mehr als gute Unterhaltung
'Vorhang auf' begeistert mit ihrem 2.Stück 'Der Wahlk(r)ampf' gut 500 Zuschauer
 

(LW) Was macht man bloß, wenn ein Wortwitz, gute Gestik und Mimik, ein lustiges Theaterstück mit absolut überzeugenden Schauspielern zusammentreffen? - Einfach herzhaft lachen. Das ist und bleibt die einzige Lösung für solch ein hervorragendes Problem, wie auch bei allen 6 Vorstellungen, bei denen die Laienschauspieler das Lustspiel "Der Wahlk(r)ampf" von Wilfried Reinehr auf die Bühne neben dem Dedinghauser Bahnhof - also in der Gaststätte Schulte-Nünnerich - brachten. 

Es war wieder soweit: Nach dem ersten großen Erfolg mit "Ein Koffer voller Geld" präsentierte die Dedinghauser Theatergruppe "Vorhang auf" ihr zweites Stück. Auf einer mit liebevollen Details ausgeschmückten Schaukastenbühne spielten 10 Dedinghauser/innen stets unter dem schwarz-weiß gerahmten Blick von Ortsvorsteher Josef Stratmann, der an der Wand im Amtszimmer des amtierenden Bürgermeisters von Dedinghausen, Wilhelm Haberkorn alias Ulrich Hagenhoff, hing. 

Doch kurz vor der Wiederwahl will Wilhelm Haberkorn seinen Posten am liebsten loswerden, auch wenn dadurch der Erzrivale Johannes Tölpel alias Gerry Hagenhoff zum Zuge kommt. Da hat er die Rechnung allerdings ohne seine geliebte Frau Elise Haberkorn gespielt von Marianne Husemann gemacht. Diese ist weniger an den Absichten ihres Mannes als vielmehr an ihrer eigener Bürgermeisterfrau Daseinsform interessiert. Von daher ist ihr Hauptanliegen fortan ihren Mann wiederum zum Bürgermeister zu machen. 

Ins Gehege kommen der ehrgeizigen Frau dabei der Gegenspieler Johannes Tölpel, seine Tochter Klara Tölpel alias Kristin Hatscher und der profitgierige Bauunternehmer Mühlbauer alias Roland Christ. Gemeinsam hecken sie einen fiesen Plan gegen den amtierenden Bürgermeister Haberkorn aus. Sie entführen ihn. Dem kommt dies allerdings mehr als gelegen, schließlich verspricht er selbst all denen Freibier die ihn nicht wählen und versucht so dem ganzen Wahlk(r)ampf zu entkommen. So tönt die Schlagzeile auf der Titelseite der D.a.: "Haberkorn verspricht Blödsinn!"

Den ersten richtig tobenden Szenenapplaus gab es allerdings beim Auftreten von Martha Mager, brillant gespielt von Maria Edler. Diese war immer dann rasend vor Wut, wenn ihr die Durchfahrtsstraße, an der ausgerechnet ihr Haus stand, ins Gehege kam, ergo meistens zu laut war. Ihr ständiger Begleiter, ein eleganter schwarzer Regenschirm, wippte grundsätzlich im Gleichschritt mit ihrem vor Weißglut rasendem Pulsschlag auf und ab. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich. 

Auch die schwerhörige Sekretärin Amanda Nagel alias Petra Müting und der Amtsdiener Emil Flachmann alias Martin Meyer sorgte für viele Lacher und die eine oder andere Verwirrung. So wurde bei der fleißigen aber schwerhörigen Sekretärin schon mal ein "Ich bin für alles offen." zu einem "Ich bin besoffen." Am Ende zeigte sich jedoch die sanfte Liebe der beiden zueinander.

Doch zuerst wurde die Liebe zwischen der Bürgermeistertochter und dem Sohn des Erzrivalen Tölpel zu einem kleinen Problem. Die Bürgermeistergattin war natürlich alles andere als begeistert, dass ihre Tochter Karin Haberkorn alias Stefanie Schulte und "der Sohn des Feindes" Thomas Tölpel gespielt von Guido Hagenhoff der Liebe zueinander verfallen waren. 

Der Super-Gau des 2. Aktes war allerdings die Verwandlung von Ulrich Hagenhoff in den trotteligen Pennebruder Wilhelm Lampe. Dieser war von dem hinterlistigen Mühlbauer, Johannes Tölpel und seiner Tochter Klara Tölpel im Park aufgelesen worden und sollte nun den entführten Bürgermeister ersetzen und mit seinem Fehlverhalten das Blatt zugunsten des Tölpel(s) drehen. Ulrich Hagenhoff konnte seine schauspielerischen Fähigkeiten in dieser Rolle absolut perfekt demonstrieren. Das Publikum kam aus dem Lachen kaum wieder heraus. 

Am Ende des Abends hatte der nahezu immer ausverkaufte Saal eine fast dreistündige Theatervorstellung der Spitzenklasse gesehen. Die Zuschauer klatschten und klatschen. Schon allein dies sollte Anreiz genug sein, auf jeden Fall weiterzumachen und noch viele lustige Theaterstücke aufzuführen. Theater in Dedinghausen ist mehr als gute Unterhaltung. 

Die Neuzugänge bei "Vorhang auf" schlugen sich ebenfalls bravourös. Bleibt zu hoffen, dass sowohl Roland Christ als auch Kristin Hatscher dies genauso empfunden haben und auch weiterhin dabei bleiben. Ingo Euler agierte als Regisseur genauso erfolgreich im Hintergrund wie Regina Hatscher als Souffleuse und Julia Hagenhoff an der Technik. 

Regisseur Ingo Euler begrüßte und verabschiedete die Zuschauer und versprach am Anfang des Abends nicht zuviel, als er allen viel Spaß wünschte.

D.a.-Online im Bilde


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 Erstellt am: 23.04.2006 (RC)

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