(LW) Was macht man
bloß, wenn ein Wortwitz, gute Gestik und Mimik, ein lustiges
Theaterstück mit absolut überzeugenden Schauspielern zusammentreffen? -
Einfach herzhaft lachen. Das ist und bleibt die einzige Lösung für solch
ein hervorragendes Problem, wie auch bei allen 6 Vorstellungen, bei denen
die Laienschauspieler das Lustspiel "Der Wahlk(r)ampf" von
Wilfried Reinehr auf die Bühne neben dem Dedinghauser Bahnhof - also in
der Gaststätte Schulte-Nünnerich - brachten.
Es war wieder soweit:
Nach dem ersten großen Erfolg mit "Ein Koffer voller Geld"
präsentierte die Dedinghauser Theatergruppe "Vorhang auf" ihr
zweites Stück. Auf einer mit liebevollen Details ausgeschmückten
Schaukastenbühne spielten 10 Dedinghauser/innen stets unter dem
schwarz-weiß gerahmten Blick von Ortsvorsteher Josef Stratmann, der an
der Wand im Amtszimmer des amtierenden Bürgermeisters von Dedinghausen,
Wilhelm Haberkorn alias Ulrich Hagenhoff, hing.
Doch kurz vor der
Wiederwahl will Wilhelm Haberkorn seinen Posten am liebsten loswerden,
auch wenn dadurch der Erzrivale Johannes Tölpel alias Gerry Hagenhoff zum
Zuge kommt. Da hat er die Rechnung allerdings ohne seine geliebte Frau
Elise Haberkorn gespielt von Marianne Husemann gemacht. Diese ist weniger
an den Absichten ihres Mannes als vielmehr an ihrer eigener
Bürgermeisterfrau Daseinsform interessiert. Von daher ist ihr
Hauptanliegen fortan ihren Mann wiederum zum Bürgermeister zu
machen.
Ins Gehege kommen der
ehrgeizigen Frau dabei der Gegenspieler Johannes Tölpel, seine Tochter
Klara Tölpel alias Kristin Hatscher und der profitgierige Bauunternehmer
Mühlbauer alias Roland Christ. Gemeinsam hecken sie einen fiesen Plan
gegen den amtierenden Bürgermeister Haberkorn aus. Sie entführen ihn.
Dem kommt dies allerdings mehr als gelegen, schließlich verspricht er
selbst all denen Freibier die ihn nicht wählen und versucht so dem ganzen
Wahlk(r)ampf zu entkommen. So tönt die Schlagzeile auf der Titelseite der
D.a.: "Haberkorn verspricht Blödsinn!"
Den ersten richtig
tobenden Szenenapplaus gab es allerdings beim Auftreten von Martha Mager,
brillant gespielt von Maria Edler. Diese war immer dann rasend vor Wut,
wenn ihr die Durchfahrtsstraße, an der ausgerechnet ihr Haus stand, ins
Gehege kam, ergo meistens zu laut war. Ihr ständiger Begleiter, ein
eleganter schwarzer Regenschirm, wippte grundsätzlich im Gleichschritt
mit ihrem vor Weißglut rasendem Pulsschlag auf und ab. Die Zuschauer
amüsierten sich köstlich.
Auch die schwerhörige
Sekretärin Amanda Nagel alias Petra Müting und der Amtsdiener Emil
Flachmann alias Martin Meyer sorgte für viele Lacher und die eine oder
andere Verwirrung. So wurde bei der fleißigen aber schwerhörigen
Sekretärin schon mal ein "Ich bin für alles offen." zu einem
"Ich bin besoffen." Am Ende zeigte sich jedoch die sanfte Liebe
der beiden zueinander.
Doch zuerst wurde die
Liebe zwischen der Bürgermeistertochter und dem Sohn des Erzrivalen
Tölpel zu einem kleinen Problem. Die Bürgermeistergattin war natürlich
alles andere als begeistert, dass ihre Tochter Karin Haberkorn alias
Stefanie Schulte und "der Sohn des Feindes" Thomas Tölpel
gespielt von Guido Hagenhoff der Liebe zueinander verfallen waren.
Der Super-Gau des 2.
Aktes war allerdings die Verwandlung von Ulrich Hagenhoff in den
trotteligen Pennebruder Wilhelm Lampe. Dieser war von dem hinterlistigen
Mühlbauer, Johannes Tölpel und seiner Tochter Klara Tölpel im Park
aufgelesen worden und sollte nun den entführten Bürgermeister ersetzen
und mit seinem Fehlverhalten das Blatt zugunsten des Tölpel(s) drehen.
Ulrich Hagenhoff konnte seine schauspielerischen Fähigkeiten in dieser
Rolle absolut perfekt demonstrieren. Das Publikum kam aus dem Lachen kaum
wieder heraus.
Am Ende des Abends
hatte der nahezu immer ausverkaufte Saal eine fast dreistündige
Theatervorstellung der Spitzenklasse gesehen. Die Zuschauer klatschten und
klatschen. Schon allein dies sollte Anreiz genug sein, auf jeden Fall
weiterzumachen und noch viele lustige Theaterstücke aufzuführen. Theater
in Dedinghausen ist mehr als gute Unterhaltung.
Die Neuzugänge bei
"Vorhang auf" schlugen sich ebenfalls bravourös. Bleibt zu
hoffen, dass sowohl Roland Christ als auch Kristin Hatscher dies genauso
empfunden haben und auch weiterhin dabei bleiben. Ingo Euler agierte als
Regisseur genauso erfolgreich im Hintergrund wie Regina Hatscher als
Souffleuse und Julia Hagenhoff an der Technik.
Regisseur Ingo Euler
begrüßte und verabschiedete die Zuschauer und versprach am Anfang des
Abends nicht zuviel, als er allen viel Spaß wünschte.