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Berichte 2008
 D.a.  2008 - Nr. 396 » ... aktuell * Rückblick
  

Kommt ein Raumschiff auf die Schnelle...
Premiere: 'Die Peppermintbande' - 'Vorhang auf' spielt einfach axopeiisch 

(LW) Eine verrückte Posse in 3 Akten von Wilfried Reinehr - das stand auf dem Programmflyer. Doch was hatte man sich darunter vorzustellen? Glaubt man der Definition einer Posse, so erwartete einen also ein derb-komisches Bühnenstück, das auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik Lachen erzeugt. 

Es war nun das vierte Stück der Dedinghauser Theatergruppe "Vorhang auf"  und eins ist gewiß: Lachen wurde genug erzeugt. Am 15. Februar 2008 war es dann endlich soweit - die erste Vorstellung des Stücks. Und wie jedes Jahr beschränkte sich das Prickeln nicht nur auf den Premierensekt, sondern breitete sich vielmehr auch auf die Atmosphäre aus.

"Dieses Jahr waren alle irgendwie besonders nervös, weil keiner so richtig einschätzen konnte, wie dieses Stück ankommt", erklärte Ingo Euler vor dem Stück. Die bereits vor der Premiere völlig ausverkauften Aufführungen stellten dann bestimmt noch das I-Tüpfelchen der Nervosität dar. Da war es nicht verwunderlich, dass einige die Frage nach ihrem Befinden beim Sektempfang nur mit einem Achselzucken beantworteten, andere annahmen, dass ihnen spätestens kurz vor der Aufführung wortwörtlich "der Arsch auf Grundeis geht" und wieder andere schlichtweg "fix und fertig" und "ganz nervös" waren. 

Regisseur Ingo Euler faßte dies zusammen: "Wir haben eine gesunde Nervosität. Jetzt um 19.35 Uhr bin ich noch die Ruhe in Person. Um 19.57 Uhr, kurz nach dem Schlachtruf hab ich dann einen Puls von 180." Kurz vor 20 Uhr ging es dann also mit einem - für die Zuschauer nicht hörbaren - dreifach donnernden "Vorhang auf! Vorhang auf! Vorhang auf! Schaffen wir das? - Ja! Wir schaffen das!" los. Mit der Erkennungsmusik "Theater, Theater" legte sich dann die Unruhe und an ihre Stelle trat ein leichtes erwartungsvolles Getuschel im Zuschauerraum. Nach einer kurzen Begrüßung seitens des Regisseurs, in der er betonte, dass der Ausverkauf vor der Premiere das größte Kompliment für die Gruppe sei, begann das Schauspiel schließlich. 

Den Inhalt gab der Programmflyer sehr gut wieder: "In der Einöde von Dedinghausen liegen zwei Bauernhöfe. Einer von drei Schwestern bewirtschaftet, der andere von einem Ehepaar. Eines Nachts bemerkt die Bäuerin seltsame Lichtblitze und Leuchtkugeln auf der Wiese der Nachbarn. Sie ist fest überzeugt, da landen Außerirdische. Um das große Geschäft machen zu können, will sie den drei Schwestern die unnützen Wiesen abkaufen. Der Knecht wird jedoch hellhörig und möchte das Geschäft mit den Außerirdischen selber machen. Dabei bedient er sich allerlei Tricks und Helfer. 

Eines Abends landen tatsächlich Außerirdische mit ihrer Untertasse auf besagter Wiese. Die grünen Männchen, die sich nur von Pfefferminzblättern ernähren, kommen ins Haus der Schwestern. Es ist schon ulkig, was die Außerirdischen für seltsame Gewohnheiten haben. Aber am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei, das Raumschiff verschwunden. Professor Hugo, ein närrischer Experte für intergalaktische Fragen, soll das Geheimnis lüften. Er stiftet aber noch mehr Verwirrung."

Der Letzte wurde von Ulrich Hagenhoff gespielt, der damit wieder einmal eine absolut brillante schauspielerische Leistung ablegen konnte. Er trat immer dann ins Rampenlicht, wenn es galt die Außerirdischen genauer zu untersuchen, denn wie er selbst sagte "kommt ein Raumschiff auf die Schnelle, ist der Hugo auf der Stelle!" Auch sein Sprachtick ließ ihn zwar noch "konfuser fuser" erscheinen, machte ihn aber gleichzeitig nur "sympathischer pathischer". Als er dann später auch tatsächlich Cäsar(!)-Strahlen maß, erreichte das Spektakel um den irren Professor wirklich seinen Höhepunkt. Herrlich!

Doch auch die anderen Charaktere konnten mit amüsanten Eigenarten glänzen. Während Petra Müting als eine der 3 Schwestern, genau genommen die Fingernägel kauende Tilde, durch ihre schnodderige naive Art einige Lacher verursachte, reizte ihre ältere Schwester Kathrin (Maria Middeke) die Lachmuskeln der Zuschauer eher mit ihrer mannstollen Art. Die Dritte im Bunde, also Klara (Marianne Husemann) war tough und ließ sich dagegen nichts vormachen, auch nicht von dem Hausierer (oder nennen wir ihn doch lieber reisenden Kaufmann, weil sich alles andere ja so blöd anhört?) Kunibert (der Gastgeber Gerry Hagenhoff), der gerne "in Damenstoffen" reiste.

Dieser schloss allerdings nachher mit dem souverän gespielten Knecht Konrad (Roland Christ) einen Pakt, um die Außerirdischen richtig in Szene zu setzen. Den galaktischsten Auftritt hatte allerdings Guido Hagenhoff als das große grüne Männchen Axo, als er in völliger Dunkelheit selbstleuchtend auf die Bühne trat. Der Auftritt der ganz speziellen Art und Weise wurde nur noch getoppt, als das Licht wieder anging und die Zuschauer in ein total grünes Gesicht blickten, das über auf einem genauso quietschgrünen Satinanzug thronte. 

Professor Hugo, Endecker der gleichnamigen "Cäsar-Strahlen", gibt alles bei der Erforschung der Außerirdischen - seine Rechnung wird er allerdings bei den ignoranten Einheimischen nicht los. Sein Gegenpol Peia (Kristin Hatscher) war da im dritten Akt pure Zugabe. Als Highlight machten sie sich näselnd noch einige Kinder auf Waterblue (die Erde) und versprachen dann nie wieder zu kommen. Doch, die beiden grünen Peppermint - Esser aus der Galaxie Axopeia waren einfach nur urkomisch und absolut gelungen.

Bleibt noch das keifende Nachbarspärchen Grete (Stefanie Schulte) und Hannes (Martin Meyer) zu erwähnen. Da bekam das Wort Schlagfertigkeit eine ganz neue Bedeutung. Wortwechsel und -witze flogen so oder so den ganzen langen Theaterabend über die Bühne und brachten das Publikum des Öfteren zum Lachen. Im Hinter- und Untergrund leisteten Julia Hagenhoff (Technik) und Regina Hatscher (Souffleuse) ebenfalls ganze Arbeit, so dass sie zum Schluss natürlich wie alle anderen auch eine Rose als Dankeschön überreicht bekamen. 

Die Premiere hatte also geklappt, so dass die Reaktionen der Schauspieler im Anschluss der Aufführung auch weitaus gelöster waren. Kristin und Guido fühlten sich auf einmal grün und schön, alle anderen hatten Spaß und fühlten sich einfach nur gut und Maria brachte es auf den Punkt: "Geile Kiste! Wie mit Red-Bull und Flügeln. Einfach axopeiisch!"

D.a.-Online im Bilde

Das Ensemble 2008

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Regina Hatscher, Roland Christ, Maria Middeke, Gerhard Hagenhoff, Ingo Euler, Petra Müting, Ulrich Hagenhoff, Marianne Husemann, Stefanie Schulte, Guido Hagenhoff, Kerstin Hatscher, Martin Meyer und Julia Hagenhoff

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 Erstellt am: 01.03.2008 (RC)

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