(LW) Eine verrückte
Posse in 3 Akten von Wilfried Reinehr - das stand auf dem Programmflyer.
Doch was hatte man sich darunter vorzustellen? Glaubt man der Definition
einer Posse, so erwartete einen also ein derb-komisches Bühnenstück, das
auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen
Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik Lachen erzeugt.
Es war nun das vierte
Stück der Dedinghauser Theatergruppe "Vorhang
auf" und eins ist gewiß: Lachen wurde genug erzeugt. Am
15. Februar 2008 war es dann endlich soweit - die erste Vorstellung des
Stücks. Und wie jedes Jahr beschränkte sich das Prickeln nicht nur auf
den Premierensekt, sondern breitete sich vielmehr auch auf die Atmosphäre
aus.
"Dieses Jahr waren
alle irgendwie besonders nervös, weil keiner so richtig einschätzen
konnte, wie dieses Stück ankommt", erklärte Ingo Euler vor dem
Stück. Die bereits vor der Premiere völlig ausverkauften Aufführungen
stellten dann bestimmt noch das I-Tüpfelchen der Nervosität dar. Da war
es nicht verwunderlich, dass einige die Frage nach ihrem Befinden beim
Sektempfang nur mit einem Achselzucken beantworteten, andere annahmen,
dass ihnen spätestens kurz vor der Aufführung wortwörtlich "der
Arsch auf Grundeis geht" und wieder andere schlichtweg "fix und
fertig" und "ganz nervös" waren.
Regisseur Ingo Euler faßte
dies zusammen: "Wir haben eine gesunde Nervosität. Jetzt um 19.35
Uhr bin ich noch die Ruhe in Person. Um 19.57 Uhr, kurz nach dem
Schlachtruf hab ich dann einen Puls von 180." Kurz vor 20 Uhr ging es
dann also mit einem - für die Zuschauer nicht hörbaren - dreifach
donnernden "Vorhang auf! Vorhang auf! Vorhang auf! Schaffen wir das?
- Ja! Wir schaffen das!" los. Mit der Erkennungsmusik "Theater,
Theater" legte sich dann die Unruhe und an ihre Stelle trat ein
leichtes erwartungsvolles Getuschel im Zuschauerraum. Nach einer kurzen
Begrüßung seitens des Regisseurs, in der er betonte, dass der Ausverkauf
vor der Premiere das größte Kompliment für die Gruppe sei, begann das
Schauspiel schließlich.
Den Inhalt gab der
Programmflyer sehr gut wieder: "In der Einöde von Dedinghausen
liegen zwei Bauernhöfe. Einer von drei Schwestern bewirtschaftet, der
andere von einem Ehepaar. Eines Nachts bemerkt die Bäuerin seltsame
Lichtblitze und Leuchtkugeln auf der Wiese der Nachbarn. Sie ist fest
überzeugt, da landen Außerirdische. Um das große Geschäft machen zu
können, will sie den drei Schwestern die unnützen Wiesen abkaufen. Der
Knecht wird jedoch hellhörig und möchte das Geschäft mit den
Außerirdischen selber machen. Dabei bedient er sich allerlei Tricks und
Helfer.
Eines Abends landen
tatsächlich Außerirdische mit ihrer Untertasse auf besagter Wiese. Die
grünen Männchen, die sich nur von Pfefferminzblättern ernähren, kommen
ins Haus der Schwestern. Es ist schon ulkig, was die Außerirdischen für
seltsame Gewohnheiten haben. Aber am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei,
das Raumschiff verschwunden. Professor Hugo, ein närrischer Experte für
intergalaktische Fragen, soll das Geheimnis lüften. Er stiftet aber noch
mehr Verwirrung."
Der Letzte wurde von
Ulrich Hagenhoff gespielt, der damit wieder einmal eine absolut brillante
schauspielerische Leistung ablegen konnte. Er trat immer dann ins
Rampenlicht, wenn es galt die Außerirdischen genauer zu untersuchen, denn
wie er selbst sagte "kommt ein Raumschiff auf die Schnelle, ist der
Hugo auf der Stelle!" Auch sein Sprachtick ließ ihn zwar noch
"konfuser fuser" erscheinen, machte ihn aber gleichzeitig nur
"sympathischer pathischer". Als er dann später auch
tatsächlich Cäsar(!)-Strahlen maß, erreichte das Spektakel um den irren
Professor wirklich seinen Höhepunkt. Herrlich!
Doch auch die anderen
Charaktere konnten mit amüsanten Eigenarten glänzen. Während Petra
Müting als eine der 3 Schwestern, genau genommen die Fingernägel kauende
Tilde, durch ihre schnodderige naive Art einige Lacher verursachte, reizte
ihre ältere Schwester Kathrin (Maria Middeke) die Lachmuskeln der
Zuschauer eher mit ihrer mannstollen Art. Die Dritte im Bunde, also Klara
(Marianne Husemann) war tough und ließ sich dagegen nichts vormachen,
auch nicht von dem Hausierer (oder nennen wir ihn doch lieber reisenden
Kaufmann, weil sich alles andere ja so blöd anhört?) Kunibert (der
Gastgeber Gerry Hagenhoff), der gerne "in Damenstoffen" reiste.
Dieser schloss
allerdings nachher mit dem souverän gespielten Knecht Konrad (Roland
Christ) einen Pakt, um die Außerirdischen richtig in Szene zu setzen. Den
galaktischsten Auftritt hatte allerdings Guido Hagenhoff als das große
grüne Männchen Axo, als er in völliger Dunkelheit selbstleuchtend auf
die Bühne trat. Der Auftritt der ganz speziellen Art und Weise wurde nur
noch getoppt, als das Licht wieder anging und die Zuschauer in ein total
grünes Gesicht blickten, das über auf einem genauso quietschgrünen
Satinanzug thronte.
Professor Hugo,
Endecker der gleichnamigen "Cäsar-Strahlen", gibt alles bei der
Erforschung der Außerirdischen - seine Rechnung wird er allerdings bei
den ignoranten Einheimischen nicht los. Sein Gegenpol Peia (Kristin
Hatscher) war da im dritten Akt pure Zugabe. Als Highlight machten sie
sich näselnd noch einige Kinder auf Waterblue (die Erde) und versprachen
dann nie wieder zu kommen. Doch, die beiden grünen Peppermint - Esser aus
der Galaxie Axopeia waren einfach nur urkomisch und absolut gelungen.
Bleibt noch das
keifende Nachbarspärchen Grete (Stefanie Schulte) und Hannes (Martin
Meyer) zu erwähnen. Da bekam das Wort Schlagfertigkeit eine ganz neue
Bedeutung. Wortwechsel und -witze flogen so oder so den ganzen langen
Theaterabend über die Bühne und brachten das Publikum des Öfteren zum
Lachen. Im Hinter- und Untergrund leisteten Julia Hagenhoff (Technik) und
Regina Hatscher (Souffleuse) ebenfalls ganze Arbeit, so dass sie zum
Schluss natürlich wie alle anderen auch eine Rose als Dankeschön
überreicht bekamen.
Die Premiere hatte also
geklappt, so dass die Reaktionen der Schauspieler im Anschluss der
Aufführung auch weitaus gelöster waren. Kristin und Guido fühlten sich
auf einmal grün und schön, alle anderen hatten Spaß und fühlten sich
einfach nur gut und Maria brachte es auf den Punkt: "Geile Kiste! Wie
mit Red-Bull und Flügeln. Einfach axopeiisch!"