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  aus D.a. Dez. '98 (Nr.295)  

Das aktuelle Interview:

D.a. Nachwuchsredaktion sprach mit Helmut Kuhne und Dr. Peter Liese

(HWW) Im Rahmen einer Straßburg-Fahrt traf sich die D.a. Nachwuchsredaktion natürlich auch mit den beiden heimischen Europaparlamentariern. Das folgende Interview führten Stefanie Otte und Linda Wellner. Die anderen Redaktionsmitglieder stellten Zwischenfragen und notierten die Antworten

Die D.a. Nachwuchsredaktion fragte:

Helmut Kuhne (MdEP; SPD)

antwortete

Dr. Peter Liese (MdEP; CDU)

antwortete

  • Zur Person :
  •    
    Alter 49 Jahre 33 Jahre
    Wohnort der Familie Bad Sassendorf Brilon
    erlernter Beruf Studium zum Dipl. Soziologe

    und Tätigkeiten in der Erwachsenenbildung

    Arzt

    Tätigkeiten in der Entwicklungshilfe und einer Kinderklinik. Auch jetzt bin ich noch in einer Gemeinschaftspraxis tätig.

    Lieblingsfarbe rot Blau
    Lieblingsessen chinesisch und italienisch Paella
    Können Sie es selbst kochen ? Nein, auf gar keinen Fall, das kann ich mir und anderen nicht zumuten. Früher habe ich viel gekocht, doch heute habe ich keine Zeit mehr. Doch neulich habe ich noch mit dem Köcheclub des HSK Paella gemacht.
    Lieblingsmusik Musik der 60'er Jahre. Ich bin ein sogenannter Oldie. Meanstraem. Ich habe einen ziemlich angepaßten Geschmack.
    Lieblingsland In Europa Frankreich und sonst USA. Italien und aus meiner Entwicklungshelferzeit liebe ich noch Guatemala. Es ist ein sehr armes Land, aber reich an Traditionen.
    Hobbys Ich begleite meine Kinder als Schlachtenbummler zu ihren Basketballspielen. Außerdem fotographiere ich gern, hauptsächlich Landschaften und arbeite für unseren Familienurlaub Reiserouten aus. Familie, Joggen und Schwimmen.
    Welche Sprachen beherrschen Sie ? Englisch und Französisch beherrsche ich.

    Für das EP gibt es aber keine formalen Voraussetzungen. Man kann auch nur mit der Muttersprache Abgeordneter werden, denn jeder hat einen Anspruch auf schriftliche und sprachliche Übersetzung aller Texte. Fremdsprachenbeherrschung erhöht allerdings die Erfolgschancen bei Verhandlungen und Gesprächen.

    Ich spreche Englisch, Spanisch ein bißchen Französisch und einen Brocken Italienisch.
    Zur Arbeit im EP    
    Muß man den Beruf des Politikers erlernen ? Der Beruf des Politikers ist kein Lehrberuf, man muß ihn aber können. Es gibt viele Wege ihn zu erlernen. Den Beruf des Politikers kann man nicht erlernen. Das Handwerkszeug zum Politiker habe ich in der Kommunalpolitik erlernt. Ich war von 1989 bis 1994 im Gemeinderat von Bestwig. Dort war ich über eine eigene Liste der Jungen Union hineingekommen.
    Warum sind Sie in die Europapolitik und nicht in die Bundes- oder Kommunalpolitik gegangen ? Kommunalpolitik habe ich 10 Jahre im Kreistag zu Soest gemacht.

    Von Kindesbeinen an habe ich mich für andere Länder und deren Kulturen interessiert und quasi immer schon über den Zaun geguckt.

    Schon früh habe ich mich für Themen interessiert, die über Deutschland hinausgingen. Und durch meine Tätigkeit in der Entwicklungshilfe kamen neue Interessen hinzu. Zur Gentechnik kam ich über meine Doktorarbeit.
    Welchen Wahlkreis vertreten Sie im Europa-Parlament ? Bei einer Europawahl gibt es keine Wahlkreise wie bei einer Bundestagswahl. Es wird über eine Liste gewählt. Dennoch fühle ich mich für einen Bezirk zuständig. Das ist der Kreis Soest, der Hochsauerland Kreis, die Kreise Warendorf und Gütersloh und die Stadt Münster. Eigentliche Wahlkreise gibt es ja nicht. Ich vertrete aber die fünf Kreise meines Bezirkes. Das sind die Kreise Soest, Märkischer Kreis, Olpe, Hochsauerland und Siegen-Wittgenstein.
    Die Arbeit des Europäischen Parlamentes verteilt sich auf Brüssel und Straßburg.

    Zu welchen Teilen und in welcher Weise?

    In Brüssel ist der Hauptsitz des Parlamentes. Dort erledige ich mit meinen Mitarbeitern die meiste Arbeit.

    In Straßburg findet pro Monat eine Sitzungswoche statt.

     
    Gibt es Probleme mit dem Hin- und Herreisen ? Grundsätzlich ist es schon hinderlich zwischen Brüssel und Straßburg zu pendeln. Zumal wir in Brüssel alle Voraussetzungen haben und auf Straßburg verzichtet werden könnte. Aber andererseits ist es auch nicht so schlimm, wenn man mal bedenkt, daß der neue Bundestag in Berlin weiter von Soest entfernt ist als das EP in Brüssel.

    Gelegentlich kommt meine Familie über ein Wochenende in meine Wohnung nach Brüssel.

    Da meine Frau und ich vor kurzem unser zweites Kinde bekommen haben, versuche ich viel von zu Hause zu regeln. Von meiner Arbeitszeit, das sind so 60 bis 70 Stunden in der Woche, erledige ich etwa die Hälfte zu Hause.

    Dennoch habe ich im letzten Halbjahr schon über 40.000 km mit meinem Auto zurückgelegt, hinzu kommen ca. 50.000 Bahnkilometer im Jahr.

    Am 13.6.1999 findet die nächste Europawahl statt.

    Werden Sie wieder kandidieren ?

    Ja, es sieht so aus.

    Ich denke, es gibt im Bereich der Medienpolitik nicht viele Mitglieder des EP's, die so viel davon verstehen wie ich.

    Ich bin bereits schon wieder einstimmig von meinem Bezirk nominiert worden. Nur der Listenplatz steht noch nicht fest.

    Wenn dieser nach der Wahl nicht ausreichen sollte, gehe ich wieder voll in meinen Beruf. Ich habe keine Sorge meine Familie ernähren zu können.

    Was war in den letzten vier Jahren für Sie das politisch Bedeutsamste ? Insgesamt gesehen war das die Einführung der gemeinsamen Währung, des EURO's.

    Für mich persönlich war es die Mitarbeit an den Fernsehrichtlinien, die ich maßgeblich beeinflussen konnte.

    Der EURO. Das war eindeutig die Einführung des EURO. Der EURO wird Europa sehr verändern und gegenüber der USA und anderen Wirtschaftsräumen wettbewerbsfähiger machen.

    Daneben war für mich persönlich das Wichtigste die Mitwirkung an der EU-Richtlinie zur Kennzeichnungspflicht gentechnisch behandelter Lebensmittel. Hier konnte ich die Strippenziehen.

    Was denken Sie, welche Auswirkungen hat die BT-Wahl vom 27.9.98 und die neue Bundesregierung auf Europa ? Ich hoffe, daß jetzt die Arbeitnehmerrechte und soziale Aspekte stärker berücksichtigt werden. Z.B., daß der Kündigungsschutz EU-weit angeglichen wird und Arbeitnehmerrechte ausgebaut werden. Zur Zeit herrscht bei unseren Kollegen etwas Unsicherheit, da sie wußten, daß Helmut Kohl fest zu Europa stand. Jetzt hoffen wir, daß Schröder wie versprochen auf Kontinuität setzt.

    Allerdings hat das für uns auch Vorteile, da wir uns jetzt stärker auf die eigenen Sachen konzentrieren können. So kann die Presse jetzt nicht mehr aus jeder Meinungsverschiedenheit zwischen unserer Fraktion und der Regierung Kohl eine Schlagzeile machen.

    Europa hat mehr als 15 Staaten. Warum ist nicht ganz Europa in der EU ? Es werden mehr Staaten werden, aber das wird langsamer gehen als viele denken. Die neuen Mitgliedsländer müssen in der Lage sein die wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllen zu können. Andererseits wären sie der Konkurrenz ausgesetzt und das ist nicht im Interesse jedes Landes. Die einen wollen nicht und die anderen können noch nicht. Aber 2002/3 sollten die ersten Staaten kommen. Es ist wichtig einen großen einheitlichen Wirtschaftsraum zu haben, schließlich gehören alle zu Europa. Für Deutschland ist es wichtig friedliche Nachbarn zu haben. Rußland haben wir nicht so im Griff. Aber Polen und Slowenien können wir langsam an die EU heranführen, so werden wir friedliche Grenzen haben.
    Welche Staaten werden als nächstes zur EU kommen ? Verhandelt wird z.Z. mit Polen, Ungarn, Tschechien, Estland und Malta. Favoriten sind Estland, Polen, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Malta und Zypern.
    Was wünschen Sie sich für die Zukunft - politisch und privat ? Daß mir der Betrieb hier weiter Spaß macht und für die Zeit, in der ich zu Hause bin, ich mit meiner Familie zusammen etwas unternehmen kann.

    Politisch wünsche ich mir, daß die sozialen Rechte in der EU gestärkt werden.

    Persönlich wünsche ich mir, daß meine Familie und ich gesund bleiben - das ist sehr wichtig.

    Politisch wünsche ich mir, daß in vier Jahren die CDU wieder die Bundestagswahl gewinnt und in die Europapolitik die Normalität einzieht. Es ist sehr wichtig, daß die Leute sich mal klar machen, wer im EP Politik macht und welche Politik gemacht wird und nicht immer aufs neue diskutieren, ob wir Europa brauchen.

     


    © D.a. online 1997/98 - D.a.@Dedinghausen.de