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  aus D.a. Sept. '98 (Nr.292)  

Ein Kommentar

von Ludger Schulte-Remmert:

Dinge, die wir nicht verstehen

Es ist nicht einfach, auf einen Menschen offen zuzugehen, der geistig und körperlich behindert ist. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl der Beklommenheit, Unsicherheit macht sich breit. Man weiß nicht recht, wie man sich verhalten soll. Allen Dedinghäuserinnen und Dedinghäusern, die sich bei dem Fest mit den Gästen aus dem Behindertenheim in Detmold - Heidenoldendorf engagiert haben, ist dieses Gefühl bekannt. Nicht immer findet man Zugang zu diesen Menschen, deren Welt sich einem gar nicht oder nur ganz langsam erschließt. Manchmal bleibt man hilflos zurück. Um so mehr verdient der Mut, die Betroffenheit gegenüber diesen "unbekannten" Menschen abzulegen, allerhöchste Anerkennung und ein ganz großes Dankeschön. Wer sein Herz in die Hand nimmt und Nähe gibt, wird auch dafür belohnt. Fragen Sie mal unser Schützenkönigspaar, zwei von vielen stillen Helfern in diesem Jahr.
Wir sollten unser Verhältnis zu Menschen überdenken, die einfach nur etwas anders sind als wir. Wir beurteilen ihren Verstand, doch der ist oft geringer oder auch gar nicht vorhanden. Wir empfinden dann Mitleid, oder schlimmstenfalls auch Mißachtung. Beides ist falsch, denn so werden wir diesen Menschen niemals gerecht. Wer genau hinsieht, erkennt Menschen, die ein viel größeres Potential haben. Freude empfinden über die einfachen Dinge im Leben, Ruhe in sich selbst finden, Vertrauen und Gottvertrauen haben - es ist die Seele, die hier groß ist, nicht der Verstand. Vielleicht rührt ja auch daher unsere Unsicherheit.
Es reift die Erkenntnis, daß es Behinderungen gar nicht gibt. Es ist nur etwas, das wir nicht verstehen und nicht erkennen.

 


© D.a. online 1997/98 - D.a.@Dedinghausen.de