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  aus D.a. Sept. '98 (Nr.292)  

Urmel: Redaktion voll unter Königsherrschaft -
Schützengelage unter Zelten

Das Schützenjubiläum hat für einige Zeit das Dorfleben geprägt. In der Redaktion hat das Schützenfest jedoch schlummernde reaktionäre Vorstellungen zum Vorschein gebracht. Ich befürchte für das laufende Schützenjahr das Allerschlimmste. König Willi Schulte (WS) versucht die gesamte Redaktion in seinen Hofstaat einzuordnen und regiert wie ein Edler von Hohenfelde mit den Waffen derer von Weißenburg. So bin ich allein mit meiner Kanone, der nüchtern über die Feudalherren dieser Redaktion und ihren Reifrockanhang berichten kann.
In der Redaktion herrscht schon immer ein totalitäres System. So setzte sich z.B. beim diesjährigen Karnevalsauftritt ein Redakteur (HWW) auf einen Thron und schikanierte wie üblich die gesamte Mannschaft. Diese monarchistischen Tendenzen haben sich nun voll durchgesetzt und wurden mit der Hofberichterstattungszeitung für den Schützenverein und der Regentschaftsübernahme durch König Willi bestätigt.
Ein Blick nach Esbeck zeigt aber, daß diese Entwicklung nicht nur in Dedinghausen zu beobachten ist. Dort hat der Dorffürst und Zeitungsherausgeber gleich den gesamten Schützenverein unter seine Kontrolle gebracht. Wie alle Herrscher folgt er dem Motto "Brot und Spiele" und hat seine Untertanen in dem Blatt "Der Patriot" am Schützenfestsamstag um 16.00 Uhr zu einem Schützenfrühstück in die örtliche Kirche eingeladen. Ob dort aus Geldmangel eine Brotvermehrung stattfand kann angezweifelt werden. Vermutlich wurde ohne Erfolg besseres Wetter erbeten. In Dedinghausen wurden auf jeden Fall in der Kirche ausreichend Kerzen gezündet und so fand der diesjährige Sommer zum Schützenfest in Dedinghausen statt.
Das Kaiserschießen am Freitag war der Höhepunkt des Jubelfestes. Mein Glaube an eine höhere Gerechtigkeit wurde mal wieder bestätigt. Trotz eines Massenaufgebotes der Hagenhoffgilde wurde der älteste König Kaiser des Vereins und das Dorf freute sich mit ihm.
Chefredakteur HWW hatte am Freitag erhebliche Haltungsprobleme. Als Hilfe für den aufrechten Gang heftete der Schützenvorstand ihm am Samstag ein weiteres Metallstück an seine Brust. Nun hat er zwar weiter eine linke Schlagseite, aber er kippt nicht mehr um.
Sonntags veranstaltete der Verein dann einen Großaufmarsch der vereinten Heere mit ihren Fürsten und dem Gefolge, mit einem Heerlager unter zusätzlichen Zelten. Wie man hören konnte, soll bei diesem Gelage der Gerstensaft knapp gewesen sein.
Am Montag hieß es dann Abschied nehmen vom charmanten Königspaar Achim und Julia. Ein neuer König sollte erschossen werden. Vorher beseitigte jedoch der Pastor die Beleuchtung im Vogelfang und geht somit als Lampenkönig in die Analen ein. Da man in Dedinghausen immer einen König sucht und findet, trafen sich einige unter der Vogelstange um den vorletzten und letzten Schuß abzufeuern. Jetzt setzte sich die Erfahrung durch und mit einem wahrhaft grandiosen Schuß holte Willi Schulte den letzten Rest des Vogels herunter. In seinem sichtbaren Glücksrausch erkor er Marlis zu seiner Königin und so werden sie für fast ein Jahr die Schützen regieren, falls der Verein im nächsten Jahr wieder am letzten Sonntag im Juli ein Schützenfest feiert.

Am Montagnachmittag wurde dann das Königspaar und der Hofstaat beim Königshaus abgeholt. Vorher war dort das verwelkte Laub des vorherigen Königs aufgehängt worden. Die Damen hatten jetzt Gelegenheit zu ersten Gehübungen in ihren Reifröcken und dann wurde der König auf der Schützenwiese gekrönt. Der König wurde zwar nicht gekrönt, sondern er wurde an eine Kette gelegt, aber die Königin hatte eine Krone, die sie aber vom Friseur bekommen hatte. Abends holte dann der alte Hofstaat sein Königspaar mit einer "loveparade" vom Königstisch ab. Ich befürchte im nächsten Jahr wird man den alten Radetzki und seine Märsche bemühen. Wahrscheinlicher bei diesem Hofrat erscheint mir aber doch ein Büttenmarsch nach dem Motto: "Wollen wir Sie rauslasse?"

Urmel
 


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