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  Wahlergebnistabelle
Podium

Podiumsdiskussion am 14.09.98
zur Bundestagswahl

aus D.a. 294 - November 1998

Wahlergebnis der Bundestagswahl 98 für Dedinghausen

(HWW) Das Wahlergebnis für unser Dorf ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Die SPD ist erstmals bei einer Bundestagswahl vorn. Der bedeutsamste Aspekt ist sicherlich die historische Tatsache, daß erstmals die SPD in Dedinghausen eine Bundestagswahl gewinnen konnte.
Bei der Landtagswahl 1995 hatte die SPD erstmals eine Wahl in Dedinghausen gewonnen. Damals war es nach 52 Nachkriegswahlen (Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europaparlamentswahlen) die erste Wahl, in der die SPD mehr Stimmen als die CDU erreichte (309 zu 304 Stimmen).

CDU verliert 12,4 % - Dedinghausen wird zur SPD-Hochburg

Der sensationellste Aspekt der Wahl vom 27.September aber ist sicherlich die Deutlichkeit mit der die CDU die Wahl in Dedinghausen verlor. Insbesondere der SPD / CDU - Vergleich offenbart für die Christdemokraten Grausames :

  Erststimme Zweitstimme
  '98 in % Diff.zu'94 '98 in % Diff.zu'94

SPD

47,6

+ 10,3 %

44,9

+ 8,7 %

CDU

36,9

- 11,8 %

31,6

- 12,4 %


Die politischen Machtverhältnisse kehrten sich in Dedinghausen komplett um. Erstaunlich dabei ist auch, daß dies sowohl für die Erst- als auch für die Zweitstimme gilt.
Die allgemeine Wahlanalyse zeigt, daß im Bund, Wahlkreis, der Stadt und auch in Dedinghausen der Wählerwille zum Koalitions- und Kanzlerwechsel wahlentscheidend war. Dies erklärt das Zweitstimmenergebnis, nicht aber unbedingt das Erststimmenergebnis.
Jürgen Augustinowitz (CDU) hatte zwar nach der Wahl seine Niederlage eingestanden, zugleich aber einen gewissen Trost aus der Tatsache gezogen, daß er weniger verloren hatte als seine Partei. Auf den ersten Blick gilt dies auch für sein Ergebnis in Dedinghausen. Wer aber genau hinsieht, der stellt fest, daß das scheidende Parlamentsmitglied Augustinowitz seinem SPD-Kontrahenten Eike Hovermann gleichzeitig einen höheren Gewinn als dessen Partei erlaubte. Während Augustinowitz nur 0,57 % weniger verlor als die CDU, gewann Hovermann 1,64 % mehr als die SPD. Hovermann gewann also auch diesen Vergleich. Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen sicherlich auch im persönlichen Profil der beiden Kontrahenten begründet.
Beim Zweitstimmenergebnis kommt man nicht umhin von einem Erdrutsch zu sprechen. Nie wurde die CDU schlechter und die SPD besser in der Wählergunst bedacht als am 27.September 1998. Dies führte auch dazu, daß nunmehr Dedinghausen für die SPD als Hochburg zu gelten hat. Die Frage wie lange dies gilt wird bereits am 13.Juni 1999 bei der Europawahl und am 12.September 1999 bei der Kommunalwahl auf dem Prüfstand stehen.

Dedinghausen auch für Grüne, F.D.P. und Sonstige eine Hochburg

Die Wahl vom 27.September änderte für die Grünen nicht viel. Zwar verlor man je nach Vergleichsgebiet zwischen 0,6 % (Bund) und 0,9 % in Dedinghausen, dennoch können die Bündnisgrünen sowohl im Bund als auch in Lippstadt bzw. Dedinghausen zufrieden sein. Erreichten sie im Bund immerhin die Regierungsbeteiligung, so blieb auf Stadtebene Dedinghausen nach wie vor die grüne Hochburg Nr.1.
Auch die F.D.P. und die 'Sonstigen' konnten in Dedinghausen überdurchschnittliche Ergebnisse feiern.

F.D.P. in Dedinghausen wieder dritte Kraft

Wenngleich die Grünen auf das Ergebnis in Dedinghausen stolz sein können, einen Wehrmutstropfen mußten sie schlucken : Die F.D.P. zog wieder an ihnen vorbei und ist im Dorf wieder die drittstärkste politische Kraft. Der direkte Vergleich zwischen der F.D.P. und den Grünen in Dedinghausen :

  Erststimme Zweitstimme
  '98 in % Diff.zu'94 '98 in % Diff.zu'94

F.D.P.

6,3

+ 2,4 %

9,1

+ 1,0 %

Grüne

5,6

- 3,0 %

8,1

- 0,9 %

Sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen hatte die F.D.P. einen Vorsprung vor den Grünen.

Wahlbeteiligung in Dedinghausenwieder überdurschschnittlich

Zur Einschätzung der Wahlbeteiligung muß man wissen, daß bei den Bundestagswahlen von 1969 bis 1983 (und zweimal zuvor) die Wahlbeteiligung in Dedinghausen immer über 90 % lag. 1980 gingen in Dedinghausen gar 95,3 % zur Bundestagswahl. Dennoch können wir in Dedinghausen stolz auf unsere demokratische Grundeinstellung sein.
Entgegen dem leicht sinkenden Trend der Wahlbeteiligung steigt die Zahl der Briefwähler kontinuierlich an. Nie zuvor zogen mehr Dorfbewohner/innnen die Briefwahl der Urnenwahl vor. 145 Personen (11,4 %) hatten bereits gewählt, bevor man am 27.September das Wahllokal Bürgertreff geöffnet wurde.

Die BT-Wahl'98 veränderte in Dedinghausen das politische Klima

Die Meinungsführerschaft liegt nun bei der SPD. Und die F.D.P. ist wieder dritte Kraft im Dorf. Das führten wir bereits aus. Doch eigentlich ist die Gruppe der Nichtwähler die dritte politische Kraft im Dorf. Ob nun aus Desinteresse, Protest oder Ignoranz - jeder 8.Dorfbewohner/in tat ihren politischen Willen nicht kund und verzichtete auf politische Einflußnahme.
Insgesamt legten die 'Sonstigen' in Dedinghausen 3,54 % bzw. 36 Zweitstimmen zu. 1994 bekamen von 10 angetretenen 'Sonstige Parteien' 7 21 Zweitstimmen. 1998 traten 21 'Sonstige Parteien' an. 14 von ihnen wurden mit Zweitstimmen bedacht.
Schaut man sich die Verteilung der 57 auf die 'Sonstige Parteien' abgegebenen Zweitstimmen an, so stellt man fest, daß die Rechtsparteien (REP, DVU und NPD) mit 28 Stimmen die Hälfte auf sich vereinigen konnten. Nennenswert sind da nur noch die 12 Protestwähler, die mit ihren Stimmen für 'Pro DM' gegen den EURO demonstrieren wollten. Alle anderen sind völlig unbedeutend.
Das Potential der Rechten umfaßt also ca. 30 Dorfbewohner/innen. 28 Personen wählten an der Urne rechts. Das sind 2,9 % der Urnenwähler und 2,2 % der Dorfbevölkerung. Das ist zwar absolut zu viel, relativ aber für eine demokratische Gesellschaft bzw. Dorfgemeinschaft tragbar.
Der einzige Direktkandidat aus Dedinghausen, der Republikaner KlausDittmann konnte bei den Erststimmen das rechte Potential unseres Dorfes nicht ausnutzen. Sein "Heimvorteil" reichte zwar für 23 Erststimmen, das waren 11 mehr als 1994, nicht aber um das Potential auszuschöpfen. Ob dies nun als persönlicher Wahlsieg oder als Niederlage gewertet werden kann, ist angesichts der relativen Bedeutungslosigkeit der Rechten im Dorf nebensächlich.

Linke spielen in Dedinghausen überhaupt keine Rolle.

 


© D.a. online 1997/98 - D.a.@Dedinghausen.de