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| aus D.a. 294 - November 1998 | ||||||||||||
(HWW) Das Wahlergebnis für unser Dorf ist gleich in
mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Die SPD ist erstmals bei einer
Bundestagswahl vorn. Der bedeutsamste Aspekt ist sicherlich die
historische Tatsache, daß erstmals die SPD in Dedinghausen eine
Bundestagswahl gewinnen konnte.
Bei der Landtagswahl 1995 hatte die SPD erstmals eine Wahl in
Dedinghausen gewonnen. Damals war es nach 52 Nachkriegswahlen
(Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europaparlamentswahlen)
die erste Wahl, in der die SPD mehr Stimmen als die CDU erreichte
(309 zu 304 Stimmen).
CDU verliert 12,4 % - Dedinghausen wird zur SPD-Hochburg
Der sensationellste Aspekt der Wahl vom 27.September aber ist
sicherlich die Deutlichkeit mit der die CDU die Wahl in
Dedinghausen verlor. Insbesondere der SPD / CDU - Vergleich
offenbart für die Christdemokraten Grausames :
| Erststimme | Zweitstimme | |||
| '98 in % | Diff.zu'94 | '98 in % | Diff.zu'94 | |
SPD |
47,6 |
+ 10,3 % | 44,9 |
+ 8,7 % |
CDU |
36,9 |
- 11,8 % | 31,6 |
- 12,4 % |
Die politischen Machtverhältnisse kehrten sich in Dedinghausen
komplett um. Erstaunlich dabei ist auch, daß dies sowohl für
die Erst- als auch für die Zweitstimme gilt.
Die allgemeine Wahlanalyse zeigt, daß im Bund, Wahlkreis, der
Stadt und auch in Dedinghausen der Wählerwille zum Koalitions-
und Kanzlerwechsel wahlentscheidend war. Dies erklärt das
Zweitstimmenergebnis, nicht aber unbedingt das
Erststimmenergebnis.
Jürgen Augustinowitz (CDU) hatte zwar nach der Wahl seine
Niederlage eingestanden, zugleich aber einen gewissen Trost aus
der Tatsache gezogen, daß er weniger verloren hatte als seine
Partei. Auf den ersten Blick gilt dies auch für sein Ergebnis in
Dedinghausen. Wer aber genau hinsieht, der stellt fest, daß das
scheidende Parlamentsmitglied Augustinowitz seinem
SPD-Kontrahenten Eike Hovermann gleichzeitig einen höheren
Gewinn als dessen Partei erlaubte. Während Augustinowitz nur
0,57 % weniger verlor als die CDU, gewann Hovermann 1,64 % mehr
als die SPD. Hovermann gewann also auch diesen Vergleich. Die
Gründe dafür sind vielschichtig und liegen sicherlich auch im
persönlichen Profil der beiden Kontrahenten begründet.
Beim Zweitstimmenergebnis kommt man nicht umhin von einem
Erdrutsch zu sprechen. Nie wurde die CDU schlechter und die SPD
besser in der Wählergunst bedacht als am 27.September 1998. Dies
führte auch dazu, daß nunmehr Dedinghausen für die SPD als
Hochburg zu gelten hat. Die Frage wie lange dies gilt wird
bereits am 13.Juni 1999 bei der Europawahl und am 12.September
1999 bei der Kommunalwahl auf dem Prüfstand stehen.
Dedinghausen auch für Grüne, F.D.P. und Sonstige eine Hochburg
Die Wahl vom 27.September änderte für die Grünen nicht
viel. Zwar verlor man je nach Vergleichsgebiet zwischen 0,6 %
(Bund) und 0,9 % in Dedinghausen, dennoch können die
Bündnisgrünen sowohl im Bund als auch in Lippstadt bzw.
Dedinghausen zufrieden sein. Erreichten sie im Bund immerhin die
Regierungsbeteiligung, so blieb auf Stadtebene Dedinghausen nach
wie vor die grüne Hochburg Nr.1.
Auch die F.D.P. und die 'Sonstigen' konnten in Dedinghausen
überdurchschnittliche Ergebnisse feiern.
F.D.P. in Dedinghausen wieder dritte Kraft
Wenngleich die Grünen auf das Ergebnis in Dedinghausen stolz sein können, einen Wehrmutstropfen mußten sie schlucken : Die F.D.P. zog wieder an ihnen vorbei und ist im Dorf wieder die drittstärkste politische Kraft. Der direkte Vergleich zwischen der F.D.P. und den Grünen in Dedinghausen :
| Erststimme | Zweitstimme | |||
| '98 in % | Diff.zu'94 | '98 in % | Diff.zu'94 | |
F.D.P. |
6,3 |
+ 2,4 % | 9,1 |
+ 1,0 % |
Grüne |
5,6 |
- 3,0 % | 8,1 |
- 0,9 % |
Sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen hatte die F.D.P. einen Vorsprung vor den Grünen.
Wahlbeteiligung in Dedinghausenwieder überdurschschnittlich
Zur Einschätzung der Wahlbeteiligung muß man wissen, daß
bei den Bundestagswahlen von 1969 bis 1983 (und zweimal zuvor)
die Wahlbeteiligung in Dedinghausen immer über 90 % lag. 1980
gingen in Dedinghausen gar 95,3 % zur Bundestagswahl. Dennoch
können wir in Dedinghausen stolz auf unsere demokratische
Grundeinstellung sein.
Entgegen dem leicht sinkenden Trend der Wahlbeteiligung steigt
die Zahl der Briefwähler kontinuierlich an. Nie zuvor zogen mehr
Dorfbewohner/innnen die Briefwahl der Urnenwahl vor. 145 Personen
(11,4 %) hatten bereits gewählt, bevor man am 27.September das
Wahllokal Bürgertreff geöffnet wurde.
Die BT-Wahl'98 veränderte in Dedinghausen das politische Klima
Die Meinungsführerschaft liegt nun bei der SPD. Und die
F.D.P. ist wieder dritte Kraft im Dorf. Das führten wir bereits
aus. Doch eigentlich ist die Gruppe der Nichtwähler die dritte
politische Kraft im Dorf. Ob nun aus Desinteresse, Protest oder
Ignoranz - jeder 8.Dorfbewohner/in tat ihren politischen Willen
nicht kund und verzichtete auf politische Einflußnahme.
Insgesamt legten die 'Sonstigen' in Dedinghausen 3,54 % bzw. 36
Zweitstimmen zu. 1994 bekamen von 10 angetretenen 'Sonstige
Parteien' 7 21 Zweitstimmen. 1998 traten 21 'Sonstige Parteien'
an. 14 von ihnen wurden mit Zweitstimmen bedacht.
Schaut man sich die Verteilung der 57 auf die 'Sonstige Parteien'
abgegebenen Zweitstimmen an, so stellt man fest, daß die
Rechtsparteien (REP, DVU und NPD) mit 28 Stimmen die Hälfte auf
sich vereinigen konnten. Nennenswert sind da nur noch die 12
Protestwähler, die mit ihren Stimmen für 'Pro DM' gegen den
EURO demonstrieren wollten. Alle anderen sind völlig
unbedeutend.
Das Potential der Rechten umfaßt also ca. 30 Dorfbewohner/innen.
28 Personen wählten an der Urne rechts. Das sind 2,9 % der
Urnenwähler und 2,2 % der Dorfbevölkerung. Das ist zwar absolut
zu viel, relativ aber für eine demokratische Gesellschaft bzw.
Dorfgemeinschaft tragbar.
Der einzige Direktkandidat aus Dedinghausen, der Republikaner
KlausDittmann konnte bei den Erststimmen das rechte Potential
unseres Dorfes nicht ausnutzen. Sein "Heimvorteil"
reichte zwar für 23 Erststimmen, das waren 11 mehr als 1994,
nicht aber um das Potential auszuschöpfen. Ob dies nun als
persönlicher Wahlsieg oder als Niederlage gewertet werden kann,
ist angesichts der relativen Bedeutungslosigkeit der Rechten im
Dorf nebensächlich.
Linke spielen in Dedinghausen überhaupt keine Rolle.
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© D.a. online 1997/98 - D.a.@Dedinghausen.de