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| D.a. 303 - September 1999 | ||||
„Graf-Bernhard"-Verleihung an D.a. am 27.08.1999 im historischen Rathaussaal:
Ansprache des Bürgermeisters Wolfgang Schwade
Namentliche Begrüßung: Heinz-W. Wellner, stellvertretend für alle anwesenden Herausgeber und Redakteure der D.a.-Redaktionen, OV Josef Stratmann, stellvertretenden Bürgermeister Sieberts sowie die Fraktionsvorsitzenden der Ratsparteien, Börskens (CDU), Kayser (SPD), Jasperneite-Bröckelmann (Grüne) und Schneider (BG).
Es ist der 3. Bernhard, der an eine Gemeinschaft geht, nach dem Südlichen Schützenbund im Jahre 1988 für die Verdienste der Völkerverständigung anläßlich des 7. Europaschützenfestes und dem Lippstädter Turnverein für dessen langjährigen Verdienste auf sportlichem Gebiet anläßlich des 150. Vereinsjubiläums.
Eigentlich hat alles ganz harmlos angefangen ... Als im April 1972 das Informationsblatt des ‘Jugendringes Dedinghausen’ zum ersten Mal erschien, konnte wohl keiner ahnen, daß daraus die älteste - und ich füge hinzu - sicher auch erfolgreichste Dorfzeitung Deutschlands wurde. Mit Veranstaltungskalendarium, der Satzung und der Zielrichtung des Jugendringes war der Anfang gemacht. Beeindruckend sind für mich die damaligen Ziele. Da heißt es:
- Kritikfähigkeit
Der Jugendliche soll durch die aktive Teilnahme im JRD die Fähigkeit erlangen, unterscheiden und entscheiden zu können und somit ein großes Maß an Unabhängigkeit erreichen, damit er den Manipulationen, denen er in unserer Gesellschaft ausgesetzt ist, einen eigenen Standpunkt entgegensetzen kann.
- Kooperationsfähigkeit
Zur Kooperation anleiten bedeutet für uns, den jungen Menschen dazu zu erziehen, daß er mit anderen Jugendlichen versucht, gemeinsam ein Werk zu erstellen, zusammenzuarbeiten.
- Fähigkeit zur Kreativität
Den jungen Menschen zur Kreativität zu erziehen heißt, ihm Wege zu schöpferischem Denken und Handeln aufzuzeigen.
- Sozialintegratives Verhalten
Damit soll nicht ein bedingungsloses Anpassen erreicht werden, sondern das Eingebundensein in ein soziales Geflecht, in dem bestimmte Regeln gelten; das Einigen auf und das Einhalten von Spielregeln.
Schon in der 2. Informationsschrift wurde eine Umfrage unter 50 Dedinghäusern wiedergegeben. Ergebnis: Die Einstellung zur Jugendarbeit war sehr positiv.
Im Oktober 1972 - also vor 27 Jahren - war es dann soweit, die 1. Ausgabe von Dedinghausen aktuell - oder abgekürzt D.a. - war geboren. Der unvergessene Ortsbürgermeister Wilhelm Schulte-Remmert schrieb zum Geleit: ‘Möge die Zeitung ein Bindeglied zwischen der Bevölkerung untereinander und unseren Vereinen werden. Der Zusammenhalt unserer Dorfgemeinschaft, der auch bisher vorbildlich war, erfährt hier eine weitere Bereicherung.’
Und so werden im 1. Artikel auch die Ziele so formuliert: ‘Durch mein Erscheinen dürften in Zukunft keine Terminüberschneidungen mehr vorkommen.’ 11 Seiten umfaßte die 1. Ausgabe. Mittlerweile gibt es - nachdem D.a. regelmäßig Monat für Monat erschien - im 28. Jahrgang die 303. Ausgabe. Umfang heute bis zu 68 Seiten (Proteste aus der Zuhörerschaft: „84"). Wahrlich nicht nur in der Quantität eine hervorragende Steigerung! Und so titelte D.a. aus Anlaß des 25. Jubiläums völlig zu recht: ‘Dedinghausen kann stolz auf diese Gemeinschaftsleistung sein.’
Die Chronik liest sich sehr spannend. Natürlich hat es Höhen und Tiefen gegeben. Mal gab es mehr, mal weniger Mitstreiter. Mal zwei Redakteure - mal zehn. Aber immer werden alle Helfer auch namentlich genannt, sei es als Herausgeber, als freie Mitarbeiter oder als Helfer bei Druck, Heften und Verteilen.
1980 sind die ersten 1.000 Seiten geschafft. 1981 erscheint die 100. Ausgabe. Die Technik wird verbessert, eine zweite Farbe eingeführt, aber immer wird das Dorfgeschehen mit spitzer, humorvoller, mal kritischer, mal lobender Weise dargestellt.
1997 entwickeln sich zwei neue Redaktionen: Die Kinder-Redaktion und die Online-Redaktion - D.a. goes Internet.
In der Zwischenzeit ist HWW keine neue Bezeichnung für WWW, sondern ein Markenzeichen für Dedinghausen aktuell geworden. Heinz-W. Wellner steht für die Kontinuität des Blattes, ebenso wie Willi Schulte, aber auch ‘Deli’ Greschniok seit 1973 sind die Grundpfeiler für den herausragenden Erfolg.
Aber damit D.a. wirklich im Briefkasten liegen kann, müssen viele mehr mithelfen. Sechs Phasen sind dafür nötig:
- Die Vorarbeit durch die Redakteure, die jeder für sich so viel Freizeit investieren, wie ihnen möglich ist. In der Redaktion werden natürlich vorab die Themen und Termine durchgesprochen.
- Das Setzen hat sich in der Geschichte von D.a. stark verändert. Was nicht vorab im Laufe des Monats von HWW als zukünftige D.a.-Seite gestaltet wurde, wird nach Redaktionsschluß von Sonntag bis Donnerstag der D.a.-Woche von HWW am PC zu einer Ausgabe zusammengefügt. Viele Artikel kommen heute natürlich per Diskette. Fotoaufbereitung, Korrekturlesen, Endkontrolle schließen sich an.
- Drucken und Falzen von 800 Exemplaren wird von den Kellerkindern in 4 - 5 Stunden erledigt.
- Das Heften ist die unbeliebteste Aufgabe. Gut 3 Stunden laufen sechs / sieben Redakteure und 2 - 4 Helfer bei Kehls um einen Tisch herum und tragen Ausgabe für Ausgabe zusammen. 1 - 2 Helfer wären hier noch gut zu gebrauchen.
- Die Verteilung erfolgt über 28 Bezirke. Im Schnitt verteilt jeder Helfer 22,5 Exemplare. Und noch etwas interessantes: Viermal im Jahr erbitten die Verteiler Spenden, woraus sich D.a. ausschließlich finanziert - keine Werbung, daher auch kein möglicher Vorwurf der Parteilichkeit. Und wie lieb die Dedinghäuser ihre D.a. gewonnen haben zeigt die Tatsache, daß das Spendenaufkommen mit den Kosten immer Schritt hielt. Eine Zeitung kostet z.Zt. etwa 1,90 DM.
- Zur Nacharbeit gehört die Demontage der Vorlagen, die Archivierung der Bilder, Versand, Buchführung und Planung der nächsten Ausgabe.
66 Helfer für eine Ausgabe sind keine Seltenheit und ein Beweis für die Gemeinschaftsleistung. Mittlerweile ist D.a. eine professionell gemachte Dorfzeitung, die über Rubriken wie Aktuelle Berichte, Meinungen, Nachrichten/Termine, Vereine/Gruppen, Feuilleton, Sport, Terminkalender verfügt.
Es ist wahrhaftig eine tolle Gemeinschaftsleistung: 27 Jahre ehrenamtliche Arbeit zum Wohl der gesamten Dorfgemeinschaft. Ehrenamtlicher Journalismus, der seines gleichen sucht - auch oder gerade weil der eine oder andere sich auch mal auf den Schlips getreten fühlt. Kommentare, die aufrütteln und andere zum Mitmachen bewegen sollen, Berichterstattungen, die besondere Leistungen lobend hervorheben, Artikel, die den Spiegel vorhalten und auch mal etwas herber kritisieren - das alles gehört zu D.a., macht die Dorfzeitung so liebenswert und unverzichtbar.
Der Dank der Stadt Lippstadt kann bei diesem großartigen und engagierten Einsatz für Dedinghausen und damit für Lippstadt nur symbolisch ausfallen: Durch die Verleihung der Bronzeplastik Graf Bernhard, der als Stadtgründer 1185 selbst die Initiative ergriff und deshalb sicher ein personales Sinnbild für Eigeninitiative, Courage und Uneigennützigkeit war.
Ich verleihe Ihnen, lieber Herr Wellner, stellvertretend für alle Helferinnen und Helfer, diese Auszeichnung mit nochmaligem Dank für Ihre beeindruckende Leistung."
(Anmerkung: ORIGINAL-Wortlaut in Kursiv-Schrift, Ergänzungen WS in Normal-Schrift)
| Erstellt am: 04.09.1999 |
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