(DB) Am
1.03.2003 war es wieder soweit. Nach der wilden Weibernacht am
vorangegangenen Donnerstag stand der jährliche KCD - Ball im erweiterten
Bürgertreff auf dem Programm der Narrenkarawane. Gegen 19 Uhr 11
marschierte der diesjährige Elferrat, begleitet von der Tanzgarde, unter
dem Klatschmarsch in die bei weitem nicht ausverkaufte Karnevalshochburg
ein.
Die Elf
bestanden in diesem Jahr aus dem Königspaar Uli Greschniok und Ulla
Wellhausen, sowie Frank Sprenger, Ulrike Koers, Andre Nünnerich, Eva
Heilig und Monika Behne. Komplettiert wurde der Elferrat durch den
Vorstand des KCD Dieter Radtke, Kuno Peter, Bernhard Schäfers und Edgar
Walter. Nachdem das befreundete Prinzenpaar sowie der Vorstand des
Karnevalsclubs Kallenhardt einen eher ausgefallenen Schlachtruf
"Kallenhardt mä, mä!" angestimmt hatten, setzte sich das
Narrenschiff langsam in Bewegung.
Die
langjährige Tanzgarde führte unterstützt von Debütantin Melanie Moore
anschließend ihren traditionellen, aber dennoch professionellen Gardetanz
auf, ehe die "Dumme Kuh" in der ersten Bütt den Narren ihren
Beziehungsfrust offenbarte. Sie "heulte" sich in üblicher
"Deprimanier" über ihr, die Emanze würde sagen
"primitives verkalktes lebenswegbegleitendes Wesen" aus (aber
dazu später). Die Hochzeitsreise nach Telgte und solche intelligent
beziehungsfördernden Sprüche wie "der schönste Körper im
Schlafzimmer ist der Heizkörper" brachten IHM dann die schlimmste
Konsequenz mit sich, die nur vorstellbar ist, nämlich
"Trennkost". Er isst im Stall, sie in der Küche.
Es
folgte nach dem ersten Klagelied der nächste Versuch die Narren in
Ekstase zu versetzen. Doch die Golden Girls um Gaby Becker (Carmen Peter,
Uta Wittmann, Brigitte Hasse, Monika Behne, Maria Greschniok, Rafaela
Hendel) trafen trotz tatkräftiger Unterstützung von Rudi Völler, dem
"König von Deutschland", Gerhard Schröder und gelungener
Kostüme nicht den Nerv, der Begeisterungsstürme auslöste. Das Finale
des Auftritts bildete die Präsentation von Papphinterteilen, die
unterstützt von Wolle Petrys "Das geht mir alles so am A...
vorbei" in die Menge wedelten und wohl ein wenig zu primitiv
wirkte.
"Es
gibt ein Leben nach dem Tod", mit diesem Titel bewegten die
legendären "Fünf im Chor" das Programm auf die
Wiederauferstehung zu. Nach einer "erfolgreichen" Pinkelpause
brachten "Cäsar" und Gerry Hagenhoff, sowie Ingo Euler, Heinz
Wessinghage und Werner Tünsmeier mit den Bläck Föss "Bye bye my
Love" die Narren zum Schunkeln.
Der
klassische Takt mündete dann nach steilem Anstieg in die Popwelt
Dedinghausens. "Dedinghausen sucht den Superstar" hieß das
aktuelle Motto der Long Long Ladies. Moderiert von Conny
"Michelle" Stellmacher kämpften sechs Kandidaten um die Würde
des Popstars Dedinghausens. In einem spannenden Wettkampf setzte sich
Enrico Casanova dank des Applaus - O - Meters durch. Nach einem kleinen
Zwischenspiel Daniel Kübelböcks, der kurz zuvor bei der nationalen
Entscheidung seine Sachen packen musste, und nun fälschlicherweise
glaubte in Dedinghausen Asyl zu bekommen, schmetterten doch alle
Kandidaten gemeinsam im mit Wunderkerzen illuminierten Bürgertreff Dieter
Bohlens "We have a dream" zum gelungenen Ausklang.
Nun
stand der spannendste Punkt auf dem Programm: Die Verkündung und Ehrung
des neuen "Doctor humoris causa". Umrahmt von allen ehemaligen
Doktoren betrat der amtierende wie immer schlappentragende Doktor Gerry
Hagenhoff mit Hut und Zepter das Parkett. Er benötigte nicht viele Worte
in seiner Laudatio; der neue Doktor kommt mitten aus der Dorfbevölkerung,
ist in sämtlichen Vereinen tätig und besitzt sogar einen eigenen
Schlachtruf, der vor allem auf Partys zum Besten gegeben wird. Der neue
"Doctor humoris causa" heißt Martin Grothe.
Nach
diesem eher besinnlichen, ruhigen und sentimentalen Augenblick, in dessen
Mittelpunkt natürlich ein Mann stand, gröööölte es schon wieder
hinter der Bühne. Das Unheil, der Alptraum, die Apokalypse aller
Männlichkeit näherte sich. Was Sabine Knaup noch deprimiert und
frustriert darstellte, kam jetzt selbstbewusst, egozentrisch und arrogant
daher. Die schizophrene Weiblichkeit, die sich binnen von Sekunden von
schürzentragender, bierflaschenhebender und grölender Emanze mit ihrem
Revolutionsruf "Prost Mädels, prost Schwester" in eine brutale,
peitschenschwenkende und kommandierende Domina mit dem Gewaltaufruf
"Hau zu!" verwandelt, betrat die Bühne.
Die
Anregung zur Verwandlung habe sie von D.a. und somit vom Autor dieses
Textes erhalten. Ich entschuldige mich also nun in dieser Form bei allen
männlichen Dorfbewohnern, die diesen Auftritt ertragen mussten. Ich hoffe
es hat niemand bleibende Schäden davongetragen, wäre doch Schade um die
"Krone der Schöpfung". Ich werde an dieser Stelle keine
weiteren Anregungen für den Auftritt im nächsten Jahr geben. Der Inhalt
ist ja auch schnell erzählt: Emanze männerfeindliches Gesülze von sich
grölend-Domina mit Partner an Kette schlagend und wild rumkommandierend.
Aber Frau Collavo-Kasprik bleiben sie uns erhalten. Man munkelt
allerdings, dass sich nächsten Jahr mal ein männliches Pondeau auf die
Bühne bequemen wird und der aufmüpfigen Weiblichkeit mal eben in wenigen
Minuten kurz, knapp, präzise, deutlich, eindringlich und
unmissverständlich darlegt, wo "der Frosch die Locken hat".
Seien sie vorbereitet!
Die
allseits beliebten und stimmungsfördernden "Räuber" ließen
nun den Saal zum ersten Mal aufkochen. In geschlechtsunspezifischer
Einigkeit schunkelten, klatschten und tanzten die Narren zu den Kölner
Klassikern "Ja, wenn das Trömmelchen geht" und "In meiner
Kneipe is keiner alleine".
Anschließend
zeigten die "Sunshine Girls", dass sie dem Boygroup- und
Teeniebandalter wohl schon länger entwachsen sind. Mit deftigem Punkrock
heizten Isabelle Ahlke, Kathrin Schober, Jennifer Greschniok, Susi
Schulte-Hammer, Katrin Olmesdahl und Vera Hagenhoff den Dedinghauser
Narren mit einen Showtanz noch zusätzlich ein. An dieser Stelle, da es
zum wiederholten Mal auffiel, könnte man erwähnen, dass nur einige
wenige Orden des KCD den Darstellern passten. Waren das wirklich, wie
behauptet, nur irrtümlicherweise die Kinderkarnevalsorden oder wurde da
am falschen Ende gespart?
Den
Abschluss der Büttreihe machte traditionell der "Dorfknecht".
Doch wer als männlicher Besucher jetzt auf ein contra - Element in Bezug
auf die Weiblichkeit gehofft hatte, wurde enttäuscht. Der Dorfknecht
begründete die Tatsache, dass Beamten immer stehend beerdigt werden
damit, dass niemand sagen könne "da liegt die dumme Sau!". Des
weiteren sprach er alltägliche hauptsächlich maskuline Probleme an, wie
die Stange beim Herrenfahrrad, die "sei ja wohl das letzte was man
gebrauchen könne, wenn man(n) vom Sattel rutsche" oder er erwähnte
Vorfälle von Masturbation und Oral - Sex, die sich im Marienhospital in
Erwitte zugetragen hätten.
Was nun
folgte, kann man(n) und Frau ohne Zweifel als Highlight des Abends
bezeichnen. Das paradoxe an dem Auftritt der "drei Tenöre" war
allerdings, dass die Begeisterungsstürme trotz des klassischen,
abgrundtief schleimigen "O sole mio" zustande kamen. Aber weder
Pavarotti, noch Carreras oder Domingo können dieses Stück so
aussagekräftig darstellen wie die drei Dedinghauser Startenöre samt
Dirigent.
Diese
Ereignis verbal zu beschreiben würde den Auftritt nur schmälern. Man
muss gesehen haben, wie die Tenöre dem Dirigenten trotz scheinbar
unüberwindlicher Weite einen Blumenstrauß überreichten oder ihm ein
Plüschherz zukommen ließen. Sie wankten ohne Grenzen vor und zurück und
verbogen sich nach allen Regeln der Kunst. Diese Tenöre waren
einzigartig, nein großartig!
Da die
Stimmung nun auf dem Höhepunkt brodelte, hatte die Tanzgarde mit ihrem
Showtanz "What a feeling" mit einer gelungenen Inszenierung
leichtes Spiel die Massen auf Touren zu halten. Sie bildeten traditionell
den Abschluss des Programms vor dem großen Finale, bei welchem sich
nochmals alle Akteure auf der Bühne wiederfanden.
Als
Fazit kann man sagen, dass das diesjährige Programm eine Zeit lang
benötigte um die Närrinnen und Narren von den Bänken zu reißen, aber
sich ab Mitte der Veranstaltung doch vehement steigerte und abschließend
doch Begeisterungsstürme entfachte.
Aus
welchem Grund die hinteren Reihen frei blieben und so die geringere
Resonanz demonstrierten, bleibt fraglich. Der KCD - Ball mit seinen
engagierten Protagonisten hat einen ausverkauften Bürgertreff verdient.
Den Gästen gefiels und ganz besonders jenen Gästen, die nach der Sitzung
im Bürgertreff verblieben. Sie feierten bis in die Morgenstunden eine
schöne Party.