Seit ich 2003 von meiner langen Reise zurückkam, beobachtete ich mal unseren Ehrenbeamten im Dorf: Josef Stratmann. Voller Interesse wollte ich wissen, was macht ein OV so den ganzen Tag, mit welchen Problemen und Nöten im Dorf muss er sich rumschlagen und wie wird ihm diese ehrenamtliche Tätigkeit von der Stadt Lippstadt und ihrem alten wie neuen Bürgermeister Wolfgang Schwade gedankt.
Nun feststellen konnte ich, dass der Josef oder der OV, wie er liebevoll von den Dorfbewohnern genannt wird, immer im Dorf unterwegs ist. Beispielsweise überwachte er das Ausschmücken der Straßen zum Schützenfest, sicher nicht ohne das ein oder andere Bier mit uns zu trinken - Josef wir schätzen deine aufopferungsvolle Arbeit-. Auch die Errichtung eines Urnenfeldes auf dem Friedhof hatte Josef veranlasst und diesmal brachte der BM eine Kiste Bier vorbei. Ebenso war er auch beim Partnerschaftstreffen im Geleit von politischer Prominenz wie BM Schwade, J.W. Hammer und H. Greschniok an vorderster Front und mit vollem Einsatz anzutreffen, und wieder gab es Bier vom BM. Beim Fukuhlenfest hielt Josef die Fäden in der Hand und verkaufte mit den Mitstreitern des Bürgerrings Anstecknadeln und sogar Dachpfannen, damit man das Dach des Bürgertreffs neu decken konnte. Logo, dass es auch hier Bier vom BM gab, doch was war das? Neben dem Bier vom BM setzte Josef mit einem Schnaps vom OV noch einen drauf.
D.a. - Foto vom 25.07.2004 Die wirklich gewichtigen Probleme hingegen ereilten Josef mit dem Bürgertreff und dem Lehrschwimmbecken. Das Dach des Bürgertreffs war undicht geworden und Josef musste nun schnell für Abhilfe sorgen. Eilig wurde eine Truppe von kräftigen Dorfbewohnern aufgestellt, bei der Stadt ein Zuschuss beantragt und wie oben bereits berichtet, wurden Nadeln und Patenschaften für Dachpfannen des Bürgertreffs verkauft. Was soll ich sagen: Das Dach ist mittlerweile dicht, aber wieder stand ein Bierkasten neben Josef und seinen Mitstreitern. Ich vermute auch vom BM? Es könnte ja nun der falsche Eindruck entstehen, dass der OV immer präsent zu sein hat und dabei verpflichtet ist, mit den Dorfbewohnern Konversation zu betreiben, Geld zu besorgen sowie ständig Bier vom BM trinken zu müssen. Doch weit gefehlt! Denn jetzt kommt der Hammer (?, sorry Jan):
D.a. - Fotos vom 3.10.2004 Das Lehrschwimmbecken in der Schule sollte zum Leerschwimmbecken werden, ohne dass Josef so recht davon wusste. Aber nicht mit unserm Josef! Fix stellte er eine Arbeitsgruppe auf, die im Dorf auch als Task Force "Schwimmbecken" bezeichnet wurde, um das Lehrschwimmbecken zu retten. Mitglieder der Task Force waren u.a. das Ratsmitglied J.W. Hammer, der OV aus Esbeck Herr Heiermeier, Unternehmen und Vereine aus der Umgebung, Institutionen der Stadt und eben unser Josef. Jubel über Jubel, das Lehrschwimmbecken konnte zum Ende der Sommerferien wieder genutzt werden. Grund genug für BM Schwade, den zahlreichen Helfern in einer Feierstunde zu danken, den Arbeitseinsatz und die Arbeitsstunden der einzelnen Force- Mitglieder zu liben. Doch nun gab es statt des obligatorischen Bieres vom BM im Anschluss an die Feierstunde nur einen beleuchteten Schlüsselanhänger der Stadt Lippstadt, Kaffee und Kuchen! Wie soll sich unser Josef da nur zurechtfinden? Später war in der örtlichen Presse zu lesen, dass Herr Heiermeier 120 Stunden und unser Josef nur 50 Stunden zum Erhalt des Schwimmbeckens beigetragen hat. Nun ihr lieben Herausgeber, falsch gedeutet, ich halte es organisatorisch für eine große Leitungsleistung, wenn es unser Josef schafft, die Reparaturarbeiten so zu planen, dass er den OV des Nachbardorfes dazu bringt, 70 Stunden mehr zum Erhalt des Schwimmbeckens in Dedinghausen beizutragen als er selbst. Denn diese 70 Stunden hatte unser Josef zur Verfügung, um sich mit den anderen Brennpunkten im Dorf zu beschäftigen - z.B. das Dach vom Bürgertreff, das zur gleichen Zeit neu gedeckt werden musste - und dies dann auch noch in der Gewissheit, dass das Schwimmbecken termingerecht fertig wird. Super Leistung Josef. Wie ihr sehen könnt, ist das Ehrenamt des OV´s kein leichtes, er springt von einem Problem zum anderen und was ist der Dank? Bier, Kaffee, Kuchen und ein Schlüsselanhänger vom BM. Ich habe mich gefragt, ist es das, was der Josef braucht, um seiner Arbeit die richtige Wertschätzung zu erbringen. "Nein, ich glaube nicht" Warum nicht, werde ich euch anhand von zwei Beispielen zeigen. Zunächst das Schützenfest, es regnete in Strömen und der Schützenoberst, der BM und unser Josef marschierten nebeneinander mit dem Rest des Schützenvereins durch das Dorf. Einer von den Dreien hatte einen Schirm, nämlich unser BM Schwade, doch statt seinem Ehrenbeamten einen trockenen Weg zum Festzelt zu verschaffen, schützte der BM den Schützenoberst vor dem Regen. Hatte der denn vielleicht Biermarken in der Tasche? Stimmt nicht, dann schauen sie sich mal das Foto links an. Zum anderen der Schnadgang am 03. Oktober, unser Josef sitzt abgekämpft auf einer Stange und was muss ich da entdecken? Seine Wanderschuhe: Die Sohle bis zum Hacken lise hatte er sich bis hierhin geschleppt. Ja, ja, unser Josef läuft sich für das Dorf wortwörtlich die Sohlen ab, wird von BM sprichwörtlich im Regen stehen gelassen und bekommt zum Dank vom BM einen Schlüsselanhänger, Bier, Kaffee und Kuchen. Lieber Herr Schwade, lassen Sie doch Ihren Ehrenbeamten nicht länger mit kaputten Schuhen im Regen stehen. Unser Josef braucht kein Bier, keinen Kuchen und auch keinen Kaffee, was unser Josef braucht, ist ein Regenschirm und ein neues Paar Wanderschuhe. Soll denn das Dorf jetzt auch noch hierfür eine Stiftung gründen? Was dich angeht Josef, Kopf hoch, es kommen - so hoffe ich zumindest- auch wieder bessere Zeiten. Den Rest vom Dorf bitte ich, habt ein Auge auf unseren Josef.
Bis bald euer Urmel