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Schnadgang – Traditionelle Kontrolle der Ortsgrenzen

von Heinz-W. Wellner und Willi Schulte

Nach vielen, nicht gezählten Jahren der Unterbrechung veranstaltete der Bürgerring bereits im Jahr seiner Gründung erstmals wieder einen Schnadgang in Dedinghausen. Am 13. November 1976 machten sich die „Grenzgänger“ aus allen drei Orten des Kirchspiels Esbeck, Rixbeck und Dedinghausen auf den Kontrollgang durch Wiesen und Felder, entlang der Ortsgrenze zum Nachbarn. Endziel war damals der Sportplatz in Rixbeck, wo bei Erbsensuppe, Würstchen, Kaffee und Kaltgetränken ein gemeinsamer Abschluss gefeiert wurde.
Der diesjährige Schnadgang am 3. Oktober 2019, dem „Tag der Deutschen Einheit“, führt übrigens die Grenzgänger von Dedinghausen, Esbeck und Hörste zusammen. Denn genau vor 10 Jahren wurde im ‚Drei-Länder-Eck‘ bei Nabers Hof ein Grenzstein enthüllt, den die Ortswappen der drei Stadtteile unter der Überschrift „Schnad 2009“ zieren. Die Idee dazu hatte der langjährige stellvertretende Vorsitzende des Bürgerrings Dedinghausen, Michael Knieps, die Ausführung übernahm der Bildhauer Uwe Albert.
Der Schnadgang 2019 gibt uns Anlass, uns mit dieser Dedinghauser Tradition und dem uralten Brauch ausführlicher zu befassen. In den Print-Ausgaben Oktober 1993 und 2006 von D.a. hat Heinz-W. Wellner nachstehenden Beitrag von Willi Krift ungekürzt wiedergegeben. Dieser wurde in Heft 3, Jahrgang 1993, der „Blätter zur Heimatkunde des Kreises Soest“ veröffentlicht:

Schnade – Schnadezug

Auch in Dedinghausen ist das „Paolärsen“ bekannt.
Hier wird ein Schnadgänger beim Grenzgang 1988 auf dem Grenzstein am Lämmerbach gestoßen

„Mit Schnade, Schnat mundartlich “Saat”, “Schnaot” wurde früher im niderdeutschen Sprachgebiet eine Grenze bezeichnet. Ursprünglich wurden Grenzen mit an die Landschaft gebundenen Merkmale gekennzeichnet : Fluß-, Bachläufe, Gebirgskämme, Wege. Wo diese natürlichen Grenzmarkierungen nicht vorhanden waren, wählte man auch schon “künstliche” Markierungen. Dieses wurde insbesondere durch das Anwachsen der Bevölkerung und der damit verbundenen weiteren Aufteilung der Landschaft notwendig.
Künstliche Grenzen wurden durch aufgeworfenen Gräben oder gerodete Waldschneisen, Buschwerk und Hecken markiert. Eine besondere Stellung unter den künstlichen Grenzzeichen nahmen die Grenzbäume ein, zumal sie nicht gesetzt werden mussten und doch einer besonderen Kennzeichnung bedurften, um nicht mit anderen, für die Grenze unbedeutenden Bäumen verwechselt zu werden. Man nannte sie Grenzbaum, Schnatbaum (Schnaotbäuom), Schnatstamm (Schnaotmaol) oder auch Schnadstucken (Schnaotstucken).
Bei uns kamen im wesentlichen als Grenzbäume Eichen und Buchen in Betracht; Fichten und Tannen wurden in den Waldgebieten Westfalens erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts angepflanzt. Die Förster oder Vertreter der an der Grenze beteiligten Anlieger schlugen mit der Plackaxt (Plackäkse) ein Kreuz in den Stamm und kennzeichneten ihn so als “neutralen Grenzbaum” Das Schnadkreuz wurde gerade oder auch schräg verlaufend in den Stamm geschlagen. Allerdings führte diese Art der Grenzmarkierung besonders häufig zu Uneinigkeiten über die Schnadbäume. Wurde das Schnadkreuz zerstört oder der Schnadbaum gefällt, war die Grenze nicht mehr zu erkennen. Natürliche Folge war, dass man immer mehr dazu überging, statt der ‘gewachsenen Grenzbäume” hölzerne Pfähle (Päole) zu verwenden. Auch diese Pfähle erhielten das Schnadekreuz und vereinzelt schon eingeschnitzte Jahreszahlen.
Im 16.Jahrhundert wurden in Westfalen die hölzernen Grenzzeichen durch Grenzsteine (Schnaotstoine) ersetzt. Um ein Versetzen der Grenzsteine zu erschweren, war es üblich, in die Grube unter dem Stein Kohlenasche, Kohlenschlacke, zerbrochene Pfeifen und Ziegelstücke z u legen. Diese unverweslichen Gegenstände wurden ‘geheime Grenzzeichen” genannt. Es ist auch möglich, dass es sich bei diesen “Grenzzeugen” um die Reste eines Grenzopfers handelt, dessen Sinn in die Merkzeichen umgewandelt wurde. Die Festlegung und Sicherung eines Grenzsteines vollzog sich ähnlich wie die Einrichtung einer Thingstätte in sächsischer Zeit. Hier wie dort wurde zunächst eine Grube ausgehoben und Asche, Kohle und ein Stückziegelstein hineingelegt.

Auch in Dedinghausen ist das „Paolärsen“ bekannt.
Hier wird ein Schnadgänger beim Grenzgang 1988 auf dem Grenzstein am Lämmerbach gestoßen

Um den Grenzverlauf einer Gemeinde, einer Markgenossenschaft zu kontrollieren, pflegte man in bestimmten zeitlichen Abständen die Grenzen durch Abschreiten zu prüfen. Dazu veranstaltete man einen Schnadegang oder auch sogenannte Schnadezüge. Für den Umgang der Grenzen gab es verschiedene Bezeichnungen:
“Gemeiner Umgang der Marken”, “Ummegank” ‘Markenzug” oder ‘Foiergang’: Im allgemeinen bezeichnete man ihn aber als Schnadegang oder Schnadezug.
Der wohl nachweislich älteste Schnadgang ist uns aus dem Jahre 1437 aus Brilon überliefert. Als besondere Zeugen wurden zu den Schnadezügen vor allem die älteren Männer geladen, die, wie alte Schnadeprotokolle berichten, sogar mit Pferdewagen eigens herangeholt wurden. Die älteren Männer wurden mitgenommen, weil sie sich am besten an den Verlauf der Grenzen erinnern konnten. Nach ihrer Aussage richtete man sich, wenn es Uneinigkeiten über den Grenzverlauf gab.
Ein Schnadegang war eine feierliche Angelegenheit. Die angesehensten Persönlichkeiten der Gemeinde und Nachbargemeinde wurden dazu eingeladen.
Fahnen, Trommler und Bläser führten den Zug an. Im kurkölnischen Sauerland war es üblich, dass der Zug an besonders wichtigen, markanten Stellen der Grenzen anhielt: Die Trommeln wurden gerührt, ein Bläser blies dazu, damit sich diese Stellen bei den Teilnehmern besonders gut einprägten. Beim Schnadegang, Schnadezug gab es allerlei Bräuche, die aber alle mehr oder weniger darauf abgestimmt waren, den Teilnehmern die Grenzmale (Schnaotstoine) besonders einzuprägen.
Insbesondere galt dies für Kinder, welche auf dem Schnadegang mitgenommen wurden. Für sie war das aber nicht immer ein wahres Vergnügen. Damit sie die Grenzmale gut in Erinnerung behielten, bezogen sie an diesen Stellen Prügel oder Streiche mit dem Hirschfänger des Försters. Ähnliche Bedeutung hat auch das Paolärsen, abgeleitet vom ‘pälen, pelen”, bedeutet: Hiebe austeilen.

Paolärse gab es nicht nur beim Schnadegang, sondern auch als Strafe für zu spät gekommene Derscher auf der Tenne durch Schläge auf den, vor den verlängerten Rücken gehaltenen, Dreschflegel. Zu unse¬rem Paolärsen gehört auch das Wort ‘Paobörger” (Pfahlbürger). Hierbei handelt es sich um …
1. alteingesessene Bürger, die
2. ehemals in einem umpfählten Ortsteil lebten.
3. Bürger, die keine eigenen Häuser haben und doch das Bürgerrecht besaßen.
Hat der Schnadezug einen Grenzstein erreicht, wird ein Teilnehmer (meistens stehen diese Delinquenten schon vor dem Schnadezug fest) genommen, von kräftigen Männerarmen hochgehoben um mit dem ‘Ärs” auf den ‘Paul” (Pfahl hier Grenzstein) mit Blickrichtung zu seiner Heimatgemeinde gestoßen. Vorher wird der Deliquent gefragt: ‘Kannst diu bölken ?” (Kannst du schreien ?). Bejaht er oder sie die Frage, dann folgt die Aufforderung: “Dann bölke draimaol : Ies alls uese!” (Ist alles unser!). Bei jedem Ausruf wird ‘Ies alls uese !” wird der Deliquent hochgehoben und auf den Stein gestoßen.
Der Grenzumgang endet mit Essen und Trinken auf dem “Vesperplass” (Vesperplatz), ein Platz vor dem Heimatdorfe oder auch der Schützenhalle oder einer Dorfschänke, wo die zurückgebliebenen Frauen bereits die Grenzgänger für das Festessen erwarten, welches hier und da schon einmal in einer großen Zecherei geendet haben soll.“

Schnadgang oder Schnatgang?

Uns ist bewusst, dass der Duden nur den „Schnatgang“ als korrekte Schreibweise ausweist. Aber schon im vorstehenden Beitrag von Willi Krift über die Entwicklung der uralten Tradition wird deutlich, welch unterschiedliche Schreibweisen der Begriff ‚Schnat(d)‘ hervorbringt. In alten Dokumentationen und bis in die neuere Zeit findet man häufig den ‚Schnadgang‘, also haben wir unsere traditionelle Schreibweise beibehalten.

Seit 43 Jahren Schnadgänge in Dedinghausen

Schnadgang 2016: Immer der Grenze nach

Der 1976 gegründete ‘Bürgerring Dedinghausen’ verstand sich damals u.a. auch als Institution zur Pflege der heimischen Bräuche und des Dorfbildes.
Folgerichtig und wie einleitend beschrieben veranstaltete er bereits im Herbst erstmals einen Schnad-gang. Ein gemeinsamer Grenzgang mit unseren Nachbarn, wie am 13.11.1976 mit Esbeck und Rixbeck, sollte sich in den vielen Jahren noch einige Male wiederholen.
Am 8.10.1977 veranstalteten die Bürgerringe von Dedinghausen und Rixbeck gemeinsam einen Schnadgang. 80 Dedinghauser und 30 Rixbecker trafen sich am Rixbecker Sportplatz zu Ende des Schnadganges zu einem gemeinsamen Essen.
Über 150 Personen nahmen am 17.6.1979 am Schnadgang teil. An der Fukuhle gab es zum Abschluss Erbsensuppe.
Der Schnadgang am 19.10.1980 wurde zum Anlass genommen, gemeinsam mit den Hörster Grenzgängern einen neuen Grenzstein am Lämmerbach einzuweihen. Der anschließende Schnadgang mit 130 TeilnehmerInnen verlief entlang der südlichen Grenze. Der ca. 300 Jahre alte Grenzstein, der die Grenze zwischen dem Erzbistum Paderborn und Kurköln markierte, hängt seitdem im Bürgertreff.
Bei kalt-nasser Witterung hat der sechste Schnadgang am 7.11.1981 mit 70 Unentwegten nicht die Resonanz der Vorjahre. Er endet wiederum an der Fukuhle mit einem Erbensuppenessen.
Nach sechsjähriger Pause (Unstimmigkeiten im Bürgerring und der Bürgertreffumbau waren der Grund) fanden sich am 22.10.1988 lediglich 12 Schnadgänger zur Grenzbegehung ein.
1989 musste ein schlecht vorbereiteter Schnadgang gar wegen zur geringer Beteiligung kurzfristig abge-sagt werden.
Am 20.10.1990 gingen mit dem Bürgerring ca. 40 Schnadgänger die nördliche Grenze ab. Hier berichtet der Chronist von einer der seltenen Abweichungen vom Grenzverlauf. Ursache ist ein elektrischer Weidezaun und eine Weide voller Bullen. Der Abschluss fand an Nünnerichs Ecke statt, unter der ‚Vereinigungslinde‘, die dort zum Gedenken an den ‚Tag der Deutschen Einheit‘ am 3. Okt. 1990 gepflanzt worden war.

Seit 1991 hat der Bürgerring den ‘Tag der deutschen Einheit’ als jährlich wiederkehrendes Datum für den Schnadgang festgelegt. In den D.a.-Jahresrückblicken kann man über den Schnadgang am 03.10.1991 nachlesen, dass der Bürgerringvorsitzende Uli Hagenhoff über 100 Teilnehmer zum Schnadgang begrüßen konnte und sich – unter Beteiligung einiger Grenzgänger – ebenso viele Dorfbewohner auf Einladung des Ortsvorstehers Josef Stratmann an der Ecke Nünnerich zur Feierstunde aus Anlass des ‚Tages der Deutschen Einheit‘ einfanden. Zur Erinnerung ist der am Dorfmittelpunkt aufgestellte Wappenbaum mit allen Wappen der Bundesländer der Einheit gewidmet.

Schnadgang 2018: Treffen an Kehls Ecke

Verfestigte, bewährte Abläufe

Nach den Aufs und Abs der ersten 15 Jahre und der Entscheidung für den 3. Oktober als Fixtermin für die Schnadgänge haben sich im Laufe der Jahre einige Abläufe verfestigt: Das Treffen an Kehls Ecke, das anschließende Essen, Kaffeetrinken und Feiern im Bürgertreff, aber besonders auch das Gedenken der Deutschen Einheit mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne.

Während OV Josef Stratmann am 03.10.1992 erneut über 100 Dorfbewohner begrüßen konnte, fiel der Schnadgang am 03.10.1993 wegen der schlechten Witterung ganz ins Wasser und ging die Zahl der TeilnehnehmerInnen in den Folgejahren wieder zurück. Natürlich spielt dabei das Wetter immer eine gewichtige Rolle. So auch am 03.10.1994, als sich 20 Unentwegte auf den Weg machten. Von diesem Schnadgang berichtete der Chronist, dass an der südlichen Grenze ‚Am Bruch‘ vergeblich nach einem Grenzstein gesucht wird. „Haben ‚böse Nachbarn‘ den Stein geklaut?“, mutmaßt er.
Mit gut 80 Dorfbewohnern am 03.10.1995, 85 Grenzgängern am 03.10.1996 und 60 TeilnehmerInnen am 03.10.1997 zeigte sich der Bürgerring zufrieden.

Grenzstein Bökenförde

26.09.1998 Die Bökenförder Schnadgänger stellen mit einer Delegation des Bürgerrings einen neuen Grenzstein an der Kreuzung ‘Am Bruch’ / ‘An der Bienenhütte’ auf.
Am 03.10.1998 nahmen 53 DorfbewohnerInnen teil und trafen sich an der nördlichen Grenze mit den Esbecker Schnadgängern. Vom Treffen an Nabers Hof ist der historische Spruch „Dedinghausen und Esbeck marschieren gemeinsam gegen Rixbeck“ von OV Josef Stratmann überliefert.
Für den 03.10.1999 ist in der Chronik von zahlreichen TeilnehmerInnen die Rede und auch im Millennium-Jahr, am 03.10.2000, ist die Beteiligung mit 100 Leuten beachtlich. Aufgrund des schlechten Wetters gehen diese Zahlen in den Folgejahren zurück:
03.10.2001 = 70 TeilnehmerInnen
03.10.2002 = 60 TeilnehmerInnen
Im Anschluss an den Schnadgang 2002 wird vor dem Bürgertreff ein Wappenbaum mit den Vereinswappen der dörflichen Vereine enthüllt.
Am 03.10.2003 treffen sich, wieder bei schlechtem Wetter, 50 Dedinghauser Grenzgänger mit den Bökenfördern und Bürgermeister Schwade am Grenzstein nahe Bienenhütte.
Ausnahmsweise mal bei schönem Wetter zählt der Bürgerring am 03.10.2004 über 100 DorfbewohnerInnen. Darunter finden sich viele Kinder, wohl auch, weil erstmals die Kolpinggruppe „Junge Familien“ auf größtenteils eigenen Wegen ein eigenes Programm für die Kids durchführt. Seit 2004 und bis heute profitieren die Kinder von diesen speziellen Angeboten wie Spielplatzbesuche, Suchspiele u.a., was die nachstehenden beiden Beispiele aus den Jahren 2007 und 2008 sicher ver-deutlichen: (2007) Am kleinen Wäldchen im Tiwitt mussten die Kleinen einen mit Straßenkreide aufgemalten Marterpfahl mit gesammelten Steinen, Blättern und Gräsern auslegen. Highlight für die Kids war dann aber die Rückfahrt mit dem Teufelsgeigerwagen zum Bürgertreff. (2008) Die Kinds nahmen den kurzen Weg an der Bienenhütte vorbei. Unterwegs konnten sie an einer Waldolympiade teilnehmen und sich beim Kastanien-Weitwurf, Hürdenlauf, Weitsprung und Baumstämme-Balancieren messen. Natürlich gab es für jedes Kind im Anschluss eine Medaille.

2013: Kinder spielerisch unterwegs

Rund 150 Grenzgänger machen sich am 03.10.2005 in drei Gruppen bei nebeligem Wetter auf den Schnadgang. Erstmals hatte der Bürgerring auch zu einer Radtour ums Dorf eingeladen. Wer also nicht ganz so gut zu Fuß unterwegs ist, kann sich seither den

2006: Große Runde mit dem Fahrrad

Radwanderern anschließen. Die Radrouten von Josef Stratmann und zuletzt von Marianne und Theo Husemann führten u.a. in den ‚Muckenbruch‘ bei Bad Westernkotten, zum Schloss Schwarzenraben, zur St. Pankratius-Kirche nach Störmede oder in den letzten beiden Jahren zum ‚Brünneken‘ in die Feldflur von Bökenförde und zur Burgruine Lipperode.

170 Grenzgänger sind Rekord!

Mit der Bildung der Gruppen „Langer Marschweg“ – die sach- und fachkundige Führung hatte nunmehr Michael Knieps übernommen – „Junge Familien“ und Fahrradgruppe boomt der Schnadgang in Dedinghausen:
03.10.2006 = 120 TeilnehmerInnen
03.10.2007 = 120 TeilnehmerInnen
03.10.2008 = 150 TeilnehmerInnen.
Nachdem 2008 der Teilnehmerrekord von 1979 eingestellt wurde, ist vom 03.10.2009 mit dem Höhepunkt der Enthüllung des Grenzsteines in „Drei-Länder-Eck“ durch die Ortsvorsteher von Hörste, Esbeck und Dedinghausen (siehe Einleitung oben) eine Anzahl der Grenzgänger nicht registriert. Unübertroffen ist bisher der Teilnehmerrekord aus dem Jahre 2010, als sich am 03.10.2010 170 (!) DedinghauserInnen auf den Grenzgang rund ums Dorf aufmachten. Für die Jahre 2011 bis 2015 sind konkrete Teilnehmerzahlen nicht überliefert, immer aber ist von „großer Zahl“ und „zahlreich“ die Rede. Das verlängerte Wochenende zum 03.10.2011 fiel mit der beeindruckenden 975-Jahr-Feier zusammen, die als Schnadersatz mit einer historischen Dorfbegehung abgerundet wurde. Am 03.10.2013 traf man sich zum wiederholten Male mit den Nachbarn aus Esbeck. Auch in den letzten drei Jahren blieb die Beteiligung der DedinghauserInnen beim Schnadgang auf einem sehr hohen Niveau:
03.10.2016 = 140 TeilnehmerInnen
03.10.2017 = 140 TeilnehmerInnen
03.10.2018 = 130 TeilnehmerInnen.

Initiative ist gefragt

Bei der Erwähnung verdienter Mitwirkender bei Organisation und Durchführung gerät man sehr leicht in Zugzwang. Für die zurückliegenden 43 Jahre Schnadgang in Dedinghausen gehen wir dieses Wagnis jedoch gerne ein.
Erstgenannter und Initiator für die ‚Wiedergeburt‘ des Schnadgangs im Jahre 1976 ist Josef Stratmann, damals Ortsvorsteher und

2017: Michael Knieps in Aktion

Vorsitzender des Bürgerrings. Nicht nur er, sondern auch seine Nachfolger als Ortsvorsteher, Ralf Henkemeier und Bernhard Schäfers, haben dem Gedenken an die Wiedervereinigung in den Jahren danach zum ‚Tag der Deutschen Einheit‘ besondere Bedeutung beigemessen.
Wie schon erwähnt haben Josef Stratmann, Ralf Henkemeier und in den letzten 14 Jahren Michael Knieps die kompetente Führung der ‚Großen Fußgruppe‘ übernommen. Seit 2004 schaffen es die Ver-antwortlichen der Kolpinggruppe „Junge Familien“, dass sich so viele Kinder am Schnadgang und der Erkundung ihres Dorfes beteiligen. Initiator für die Fahrradtour beim Schnadgang war ebenfalls Josef Stratmann. Er wird seit ein paar Jahren von Marianne und Theo Husemann unterstützt.
Den Vorständen des Bürgerringes, seit vielen Jahren mit dem Vorsitzenden Guido Lauber an der Spitze, gebührt für die Organisation des Schnadgangs genauso Dank, wie den Helfern für die ‚Unterwegs-Versorgung‘ der Schnadgänger. Aus den frühen Jahren erinnern wir uns gerne

2018: Kinder auf Schusters Rappen

an Reinhard und Siggi Remmert, die über viele Jahre auch in großen Mengen Erbsensuppe kochte. Immer noch aktiv unterwegs für Kaffee- und Kaltgetränke sind auch Raimunda und Uli Hagenhoff, selbst einige Jahre BR-Vorsitzender, oder Helmut und Markus Schulte oder Martin Grothe.
Besonderen Dank und großes Lob verdienen die vielen Frauen aus Dedinghausen, die Jahr für Jahr mit Kaffee und Kuchen, Spaghetti und Würstchen und der obligatorischen Erbsensuppe für die Verköstigung der Schnadgänger sorgen. Nicht zuletzt gelingt es dem Bürgerring-Vorstand und seinem Umfeld, für einen geregelten Thekenbetrieb zur Abschlussfeier im Bürgertreff zu sorgen.
Besonders feierlich wurde der Tag der Deutschen Einheit mit der musikalischen Begleitung von „Spontan und ungezwungen“ zur Nationalhymne.
Und in Erinnerung geblieben sind auch einige sehr eindringliche Worte von Ralf  Henkemeier zu diesem Gedenken.
Als Fazit darf man festhalten: Die Tradition ‚Schnadgang‘ hat eine Zukunft in Dedinghausen!

2018: Versorgungsstelle an der Burgruine in Lipperode

2010: Nationalhymne mit Spontan und ungezwungen

Instandsetzung des Geländes an der Bienenhütte

Ein Beitrag von Bettina Schmolke-Kohl und Bernhard Schäfers

Wiederbelebung eines Naturparadieses für Bienen und Menschen

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unseres Dorfes haben in den vergangenen Monaten die Veränderungen zur Kenntnis genommen, die an der Bienenhütte zu beobachten sind. Da wir häufig gefragt werden, was dort weiter geschehen soll, möchten wir hiermit nun einen groben Einblick in unsere Überlegungen geben.

Geschichte der Bienenhütte

Zunächst ein kurzer Überblick über die Geschichte der „Bienenhütte Dedinghau­sen“. In den 60iger Jahren errichtete Günther Kohl (sen.) auf dem Gelände drei historische Bienenhäuser, die zuvor bereits von seinem Vater für die Imkerei in der Walachei am Ortsrand von Dedinghausen genutzt wurden. Mit großer Begeisterung bewirtschaftete Günther Kohl (sen.) dann auf dem Gelände in Dedinghausen in Spit­zenzeiten über 100 Bienenvöl­ker. Zeitweilig war es zu dieser Zeit die größte Imke­rei im Kreis Soest. Bis zu seinem Tod im Jahre 1992 widmete er seine große Leidenschaft der Imkerei.

Die „Bienenhütte“ war weit über die Dedinghauser Ortsgrenzen hinaus bekannt als eines der Wahrzei­chen des Ortes. Zu dieser Zeit wurde auch die Straße „An der Bienenhütte“ danach benannt, unserer Kenntnis nach die einzige Straße weltweit, die diesen Namen trägt.

Häufig diente die „Bienenhütte“ als Ort des Zusam­mentreffens der Imker, als gelegentlicher Schulungs­ort für Kindergartengruppen und Schulklassen mit Vorträgen über die Bienenhaltung, schließlich als zwangloser Treff für Bürger und Bürgerinnen des Ortes, die sich gern in dem kleinen Naturparadies aufhielten.

Nach dem Tod des Imkers wurde das Gelände über ca. zwei Jahrzehnte vom Imkerverein Lippstadt als Lehrbienenstand genutzt. Das Interesse der Mitglie­der ließ allerdings über die Jahre nach, so dass es im Jahre 2017 zur Auflösung des Nutzungsverhältnisses kam. Auch ein anschließend ab Mai 2017 bestehen­der privater Pachtvertrag wurde zum Ende August 2018 wieder aufgelöst.

Wiederbelebung der Bienenhütte

Aufgrund des Zustandes des Geländes und der Befürchtung, dass die notwendigen Instandsetzungs­arbeiten auf dem Gelände an der Bienenhütte über­hand nehmen könnten, wurde im Frühjahr des letzten Jahres kurzzeitig vom Eigentümer auch der Verkauf des Grundstückes in Erwägung gezogen.

Nach Überlegungen und Beratungen mit einigen Dedinghauser Bürgern haben wir jedoch inzwischen eine Interessengemeinschaft gegründet, die sich primär für die Erhaltung der Bienenhütte einsetzt und die Bienenhaltung wiederherstellen will. Dazu soll ein ortsnaher Imker als zukünftiges Mitglied der Inte­ressengemeinschaft einen Teil seiner Bienenvölker auf dem Gelände bewirtschaften.

Wichtig ist uns, dass das traditionsreiche Gelände an der „Bienenhütte“ wieder in das Bewusstsein der Dorfgemeinschaft eingebunden werden kann und seine Bedeutung im heimatlichen Umfeld unseres schönen Ortes wie in früherer Zeit wieder erlangt.

Darüber hinaus wäre es schön, wenn ein zukünftig dort tätiger Imker gelegentlich kleinere Besucher­gruppen (z.B. Kindergartengruppen, Schulklassen oder andere interessierte kleinere Gruppen) aus Dedinghausen oder der näheren Umgebung über die Bienenhaltung informieren könnte. Auch kleinere auf die Bienenhaltung und auf Naturerlebnisse bezogene Aktivitäten (z.B. Bau von Insektenhäusern, das Anlegen und Pflegen einer Obst- und Blumenwiese, ein Informationsparcours mit altersgemäßen Quiz- und Rätselfragen) sind geplant.

So könnte die „Bienenhütte“ vielleicht wie in frühe­- rer Zeit die eigentliche Bestimmung zurückerlangen, als Günther Kohl (sen.) dort voller Begeisterung jede freie Minute für die Bienenhaltung nutzte und inte­ressierten Besuchern gern Rede und Antwort stand.

Etwas konkreter werden inzwischen fol­gende Zielsetzungen von unserer kleinen Interessengemeinschaft angestrebt:

  • Auf dem Gelände sollen Informationstafeln errichtet werden, die über die Geschichte der Bienenhütte im heimatlichen Umfeld informieren.
  • Auf Informations- und Schautafeln soll die Bedeutung der Bienenhaltung für die Natur und das Gemeinwohl erklärt werden.
  • In einem der Gebäude sollen Publikationen und Illustrationen über die Bienenhaltung bei Veranstaltungen (z.B. Tag der offenen Tür, traditionsbezogene Dorffeste etc.) zur Information bereitgestellt werden.
  • Durch das Anlegen einer Obst- und Blumenwiese soll ein Biotop für Bienen und andere Insekten entstehen.
  • Die vorhandenen Bienenhäuser sollen in ihrer Substanz erhalten und dazu instand gesetzt werden.

Die bis heute seit Inangriffnahme der Initiative ange­fallenen Kosten für die bereits vollzogenen Maß­nahmen (Beginn der Neueinfriedung des Geländes, Baggerarbeiten, Erdaushub, Neuanlage für Wege durch Einbringen von Schotter und Dolomitsand, Einsaat des Geländes etc.) wurden bislang privat von den Mitgliedern der Interessengemeinschaft getra­gen. Darüber hinaus wurden unzählige Arbeitsstun­den eingesetzt, um den jetzigen Zustand des Gelän­des zu erreichen. Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle, dass uns zudem einige Bürger des Ortes tatkräftig und/oder organisatorisch enorm unterstützt haben bzw. noch unterstützen, so dass die Instandset­zungsarbeiten nach und nach angegangen werden können.

Für einen Teil der oben genannten Zielsetzungen haben wir eine Förderung beim RP-Arnsberg im Rahmen des sogenannten „Heimat-Schecks“ bean­tragt. Der Zuschuss in Höhe von 2000 Euro steht uns inzwischen zur Verfügung. Die zweckgebundene Förderung des Landes bezieht sich auf die Illustrati­on der Bienenhaltung (Informations- und Schauta­feln) und die Herstellung des Bienenbiotops durch bienenfreundliche Bepflanzungen (Sträucher, Obst­bäume etc.).

Zukunftsperspektiven

Trotz der großen Fortschritte, die wir in den letzten 12 Monaten erreicht haben, stehen noch weitere Dinge an. Zu nennen wären beispielsweise Pflaster­arbeiten zur Erweiterung der Terrasse, Ersatz schad­hafter Hölzer an den bereits ca. 100 Jahre alten Bienenhäusern, Abdichtung undichter Dachflächen, Neuanstrich der Holzhäuser mit bienenfreundlicher Farbgebung, weitere Einfriedungsarbeiten, Anbrin­gen von Einfahrtstoren, typische Gartenarbeiten wie die Pflege der bereits bestehenden Blumenbeete und Neubepflanzung mit Bäumen und Sträuchern.

Wir sind sehr erfreut, von vielen Bürgerinnen und Bürgern unseres Dorfes eine so durchgängig positive Rückmeldung auf das schon Erreichte und zukünftig Angestrebte zu erhalten. Dennoch wissen wir, dass wir die noch anstehenden Arbeiten nicht allein bewältigen können. Die Arbeit lastet derzeit einfach auf zu wenigen Schultern, so dass wir zwingend auf weitere tatkräftige Unterstützung angewiesen sind.

Wir wären sehr dankbar, wenn einige Dedinghauser Bürger und Bürgerinnen bei den noch anstehenden Instandsetzungsarbeiten zeitweise helfen könnten, wozu man natürlich nicht zwingend Mitglied der Interessengemeinschaft werden muss.

Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wenn Sie sich vorstellen können, bei den noch anstehenden Arbeiten zu helfen. Dauerhaft kann die Umsetzung des Vorhabens wohl nur gelingen, wenn die Arbeit von vielen Schultern getragen wird.

Stellvertretend für die Mitglieder der Interessenge­meinschaft:

Bettina Schmolke-Kohl, Am Gurgeskamp 43, Tel.: 2709459

Bernhard Schäfers, Am Birkhof 63, Tel.: 10981

Grußwort des Königspaares und Festprogramm

Liebe Schützenbrüder und Schwestern,
liebe Dedinghauser, Freunde und Gäste,

ein Schützenjahr beginnt mit dem letzten Schuss und endet viel zu schnell mit dem nächsten ersten. In unserem Fall begann das Jahr am 30.07.2018 recht spontan zwei Wochen nach unserer Hochzeit. Nach dem 267. Schuss war das Glück auf unserer Seite und unser Schützenjahr begann mit einem feuchtfröhlich heißen Montag.
Unser „Luftiger“Hofstaat und wir hatten aber nicht nur an diesem Tag eine große Freude daran, das Dorf / den Verein zu repräsentieren. Im Rahmen der Montgolfiade lud die Warsteiner uns zum 9. Majestäten¬treffen ein. Hier konnte ich mir den Ttel „Warsteiner Ballonkönig“ sichern und für mich, meine Königin und die mitgereisten Schützenbrüder & Schwestern einen Hubschrauber-Rundflug ergattern. Das nächste Highlight war das Kreisschützenfest in Rüthen, bei dem Hofstaat und Schützen mannstark antraten und uns tatkräftig unterstützten. Bei bestem Wetter marschierten wir durch Rüthen und waren so Teil eines wundervollen Festumzuges.
Bald darauf neigte sich das Kalenderjahr dem Ende entgegen und unser Winterball stand im neuen Jahr auf der Agenda. Nachdem meine Königin mit den Hofdamen eine wunderschöne Deko erdacht und gebastelt hatten, war der Ball selbst zügig vorbereitet. Hier schon einmal Danke im speziellen an den Hofstaat und die Offiziere. Am folgenden Abend konnten wir reichlich Schützenbrüder und Schwestern sowie Gäste aus Dedinghausen bei uns im Bürgertreff begrüßen und mit Ihnen einen für uns unvergesslichen Winterball feiern. Bei unseren Freunden in Rixbeck startete nun endlich die Schützenfestsaison und somit rückt das Finale immer näher. Vorher freuen wir uns jedoch noch auf zwei Ausmärsche und zwei Besuche bei weiteren Schützenfreunden sowie unsere Königsfeier.

Zum Abschluss wollen wir nochmal Danke sagen:
DANKE! an unseren Hofstaat, unsere Familien, den Vorstand, die Offiziere und alle Schützen, die uns übers Jahr hinweg begleitet haben. Ohne euch hätte das alles nicht geklappt.

Euer Königspaar 2018/2019

Eschentriebsterben auch in Dedinghausen

(LSR) Vor anderthalb Jahren gab es erste Hinweise, jetzt musste gehandelt werden: auf Grund des Eschentriebsterbens wurde in dieser Woche alter Baumbestand an der Thingstraße gefällt. In Absprache mit Förster Johannes Pape von der Forstbetriebsgemeinschaft und der unteren Naturschutzbehörde im Kreis Soest wurde seit längerem überlegt, ob diese Massnahme zu umgehen sei, so Wilhelm Schulte-Remmert. Doch für die alten Eschen am Nordrand der Wiese an der Kirche, wo auch der Dorfgarten und der Dorfwagen beheimatet sind, war keine Rettung mehr möglich.

Die häufig am Fuss des Stammes einsetzende Fäulnis (siehe Foto unten) beeinträchtigt die Standsicherheit der Eschen sehr stark, weshalb nun vor allem wegen der nördlich angrenzenden Neubauten (siehe Foto rechts) gehandelt werden musste. Auch eine alte Eiche wurde aus Sicherheitsgründen gefällt, zwei weitere gesunde Exemplare konnten aus dem Baumbestand verbleiben.

Bereits in 22 Ländern Nord-, Mittel- und Westeuropas sind Eschenbestände betroffen. Auslöser ist eine Pilzinfektion durch das sog. Falsche Weiße Stengelbecherchen, durch die die Bäume stark geschwächt werden. Diese Schwächung ruft wiederum weitere Schadorganismen auf den Plan und der extrem trockene Sommer 2018 hat wohl sein übriges getan.

Die bereits von Fäulnis am Stammfuss betroffenen Eschen werden ca. 1,5 m oberhalb des Grundes gesägt, so dass am gefällten Stamm keine Beschädigungen zu erkennen sind. Im Fall des Eschenbestandes an der Thingstraße waren bereits alle Bäume in unterschiedlichen Stadien des Krankheitsverlaufes vom Eschentriebsterben befallen, was an der sog. Verbuschung in der Eschenkrone zu erkennen war. Neue Bäume sollen nun angepflanzt werden, allerdings keine Eschen mehr.

 

Bahnhof Dedinghausen barrierefrei

(HWW) “Die Kosten des barrierefreien Umbaus der Bahnhöfe Dedinghausen und Ehringhausen werden vollständig vom Bund übernommen.” Diese Neuigkeit hat Hans-Jürgen Thies (MdB, CDU) heute (08.11.18) vom Haushaltsausschuss des Bundestages erfahreund und in einer Pressemitteilung verbreitet. Was das konkret bedeutet, versucht D.a. bis zum Erscheinen der Dezember-Ausgabe (1.12.18) zu recherchieren.